Karriere Gelobter Norden

Ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd - Skandinavien hat einen guten Ruf in Deutschland und einen Arbeitsmarkt, der nach Fachkräften hungert. Der Ausstieg in den hohen Norden will trotzdem wohlüberlegt sein.

Hamburg/Rostock - Wer seinen Urlaub in Skandinavien verbringt, sucht meist Einsamkeit und Ruhe. Der hohe Norden Europas hat aber nicht nur für Erholungsbedürftige eine große Anziehungskraft. Mehr und mehr Bundesbürger orientieren sich auch beruflich dorthin. "Es gibt viele, die jetzt aus der schlechten wirtschaftlichen Situation in Deutschland heraus nach Skandinavien wollen", sagt Angela Griem, Expertin für das europäische Ausland beim Arbeitsamt in Hamburg.

Europas Norden liegt aus deutscher Sicht nicht nur geographisch nah, sondern auch juristisch. Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der Europäischen Union (EU) sowie des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) genießen Freizügigkeit, sie benötigen also für die Arbeitsaufnahme keine Arbeitserlaubnis und werden rechtlich den Arbeitnehmern des Gastlandes gleichgestellt. Seit 1994 bieten die Arbeitsverwaltungen von EU und EWR über das Netzwerk EURES (European Employment Services) Stellenangebote, Informationen und Beratung auch über Leben und Arbeiten in den skandinavischen Ländern an.

Die Aussicht, zumindest auf dem Arbeitsmarkt in Norwegen, Schweden oder Dänemark fündig zu werden, ist nicht schlecht. "Bei manchen Berufsgruppen gibt es dort Engpässe", sagt EURES-Beraterin Angela Griem. Großer Bedarf bestehe an qualifizierten Arbeitskräften im Gesundheitswesen, gefragt seien Ärzte und Pflegepersonal. Doch auch für Handwerker, Bauarbeiter oder Ingenieure könne die Stellensuche dort lohnenswert sein.

Finnisch ist am schwersten

Eine Ausnahme unter den nordischen Ländern ist Finnland. "Da hapert es mit der Sprache", sagt Uta Witte, EURES-Assistentin bei der Evangelischen Auslandsberatung in Hamburg. Weil das Finnische nur schwer zu erlernen ist, halte sich die Nachfrage für das Land in Grenzen. Kenntnisse in der Landessprache sind auch für die Arbeit in Schweden, Norwegen und Dänemark notwendig. In Schweden und Norwegen haben Ausländer mit einem gültigen Arbeitsvertrag Anspruch auf kostenlosen Sprachunterricht.

Anlaufpunkt für grundlegende Informationen ist etwa das Bundesverwaltungsamt in Köln. Auch die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg und die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn sind erste Adressen für Fragen zum Arbeiten im Ausland.

Die EURES-Berater bei der ZAV, bei vielen Arbeitsämtern und anderen Beratungsstellen kennen sich mit Fragen der Vorbereitung für das Auswandern in Richtung Norden bestens aus: "Ärzte müssen etwa unbedingt ihre Diplome anerkennen lassen", nennt Uta Witte einen wichtigen Aspekt, der auch für andere Berufsgruppen unumgänglich ist.

Speziell auf die Arbeitssuche in Skandinavien zugeschnitten sind das Baltic-Training-Center (BTC) in Rostock und das Nordic Training and Job Center in Flensburg. Als staatlich anerkannte Einrichtungen zur Weiterbildung helfen beide Institutionen arbeitslosen oder von der Arbeitslosigkeit bedrohten Bundesbürgern bei der Suche und der Qualifikation für eine Stelle in Nordeuropa.

Praktika bezahlt zum Teil das Arbeitsamt

Praktika bezahlt zum Teil das Arbeitsamt

Erfolgreiche Bewerber absolvieren je nach Grad der Sprachkenntnisse kürzere oder längere Kurse etwa in Landeskunde, Bewerbungstraining oder interkultureller Kompetenz. Möglich ist auch ein Praktikum im Zielland.

"Wenn das Heimatarbeitsamt das unterstützt, übernimmt es auch die Kosten", erklärt Birgit Krone, Geschäftsführerin des BTC. In Flensburg beim Nordic Training and Job Center sind nach Angaben von Projektleiterin Heike Meyer auch Selbstzahler willkommen. Berufliche Weiterbildung wird hier für Jobs in Schweden, Dänemark, Norwegen und Irland angeboten.

"Es kann sehr einsam werden"

Wer den Schritt auf den Arbeitsmarkt in einem skandinavischen Land wagen möchte, sollte aber nicht nur die fachliche Qualifikation, das Wissen über arbeits-, steuer- und versicherungsrechtliche Regelungen, die Kenntnisse der Landessprache sowie einen Arbeitsvertrag haben. Im Norden Europas zu leben, erfordere auch einen bestimmten Charakter, betonen alle Fachleute. Denn die Einsamkeit und Ruhe, die Urlauber an Skandinavien schätzten, könne auf Dauer zu einer Belastung werden.

"Erst eine umfassende, individuelle Beratung verhilft den Klienten zu einer klaren und tragfähigen Entscheidung", meint Uta Witte von der Evangelischen Auslandsberatung. Auch die EURES-Expertin Angela Griem macht den Rat Suchenden klar, dass das Leben im oft dunklen Norden auf das Gemüt schlagen kann. "Skandinavien hat großen Charme", sagt sie, "aber im Winter kann es sehr einsam werden."

Kai Portmann, dpa

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