Hasso Schützendorf Der "Autokönig von Mallorca" ist tot

Vom Schmuggler zum Millionär - einer der schillerndsten deutschen Exilanten ist gestorben.

Palma/Madrid - Der deutsche Multimillionär und "Mietwagenkönig" von Mallorca, Hasso Schützendorf, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Wie die Lokalpresse am Mittwoch berichtete, erlag der gebürtige Düsseldorfer am Vortag in einer Klinik in Palma einem Lungenleiden.

Der gewiefte Geschäftsmann hatte nach einer Schmugglerkarriere in den 60er Jahren, als der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckte, den ersten Mietwagenverleih der spanischen Ferieninsel eröffnet - damals noch mit zwei Motorrollern. Später stieg er mit einem Imperium von rund 5000 Autos zu einem der Größten der Branche in Europa auf und häufte ein Vermögen an.

Für seinen exzentrischen Lebensstil war Schützendorf ebenso bekannt wie als notorischer Playboy. Per Zeitungsannoncen und in Fernsehsendungen suchte er stets nach jungen heiratswilligen Frauen. Offiziell war er in sechster Ehe mit einer Kolumbianerin verheiratet. Die Hochzeit in Las Vegas soll mehr als eine Million Euro gekostet haben, weil er sämtliche alte Schulkameraden seiner Gattin einfliegen ließ. "Eine Frau, die älter als 30 Jahre ist, reizt mich nicht mehr", sagte er selbst.

"Deutschland ist Vergangenheit"

Schützendorf, der den griechischen Reeder Aristoteles Onassis gerne als Vorbild nannte, hatte ein außergewöhnliche Biografie. Der Sohn einer Opernsängerin aus einer preußischen Soldatenfamilie wurde im Zweiten Weltkrieg an die russische Front geschickt. Er desertierte und wurde von den Nazis zum Tode verurteilt. "Ein Verwandter im Generalstab rettete mir das Leben", erinnerte er sich einst. Er musste aber ins Zuchthaus und kam erst nach Kriegsende wieder frei.

Nach einem abgebrochenen Medizinstudium schlug er sich mit illegalen Geschäften durch: Er fing als kleiner Schwarzmarkthändler in Hamburg an und baute nach Presseberichten in den 50er Jahren den größten deutsch-deutschen Schmugglerring auf. Schützendorf nutze das Währungsgefälle zwischen Ost und West, um Markenartikel wie Ferngläser, Fotoapparate oder Schreibmaschinen aus der damaligen DDR über die Grenze nach Westen zu verschieben. Dafür landete er mehrmals im Gefängnis.

Mit dieser Zeit hatte er lange abgeschlossen. "Deutschland ist Vergangenheit. Dort hat man mich immer nur in den Knast gesteckt. Jetzt ist Mallorca mein neues Zuhause." Dort engagierte er sich auch als Schirmherr der deutschen Schule. Doch sicher fühlte er sich auf der Insel auch nicht mehr: In seinem 30-Zimmer-"Schlösschen" in Son Sardina außerhalb von Palma, wo er sich auch Löwen, Pumas oder Orang-Utans hielt, wurde der "Autokönig" vor zwei Jahren von schwer bewaffneten Gangstern überfallen. Seitdem verbrachte er viel Zeit im - steuerfreien - Pyrenäen-Kleinstaat Andorra.

Jörg Vogelsänger, dpa

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