CSFB Des "Spinnings" verdächtigt

Vergangenheitsbewältigung bei der Investmentbank CSFB: Gegen den Topmanager Frank Quattrone wird wegen unsauberer Zuteilungspraktiken von Wertpapieren ermittelt. Vorsichtshalber wurde er vom Dienst suspendiert.

New York - Nur wenige Investmentbanker haben so viele Unternehmen an die Börse gebracht wie Frank Quattrone. Jetzt hat ihn sein derzeitiger Arbeitgeber Credit Suisse First Boston (CSFB) vorläufig vom Dienst suspendiert, ein Selbstkontrollorgan der Wall Street, die National Association of Securities Dealers (NASD), hat Ermittlungen eingeleitet.

Der Banker wird des "Spinnings" verdächtigt, einer unerlaubten Zuteilungspraxis von Aktien. Zu Zeiten der Börseneuphorie waren die meisten Wertpapiere bei Neuemissionen stark überzeichnet. Wer trotzdem an die begehrten Anteilsscheine kam, konnte mit schneller Geldvermehrung rechnen. Mehreren Bankhäusern wird seit dem letzten Jahr vorgeworfen, regelwidrig bei der Zuteilung Geschäftspartner und Kunden bevorzugt zu haben, von denen sie sich noch große Aufträge erhofften.

So wurden im vergangenen Jahr Mitarbeiter von Salomon Smith Barney des "Spinnings" überführt, gegen Goldman Sachs laufen Ermittlungen. Bereits im September berichtete das "Wall Street Journal", dass sich Quattrone bei CSFB für die bevorzugte Behandlung einzelner Firmenchefs eingesetzt habe. Im Dezember 2000 soll er als Reaktion auf eine bankinterne Untersuchung seine Mitarbeiter per E-Mail angewiesen haben, ihre Dateien zu "säubern".

"Die NASD steht unter hohem Druck"

Wie jetzt bekannt wurde, strengt die NASD einen Zivilprozess gegen Quattrone an. Es stellt sich die Frage, warum diese Schritte nicht schon früher unternommen wurden. Beobachter vermuten, dass die Vereinigung damit auf anhaltende Kritik an ihrer Durchsetzungsstärke reagiert.

Der Chefermittler der Wall-Street-Untersuchungen vom vergangenen Jahr, Eliot Spitzer, hatte erst kürzlich öffentlich in Zweifel gezogen, dass die NASD überhaupt zur Kontrolle des Börsenbetriebs fähig sei. "Es sieht stark danach aus, als ob auf die NASD großer politischer Druck ausgeübt worden wäre", so die Einschätzung des Wirtschaftanwalts Tom Dewey in der "Financial Times". Sein Schluss: "Quattrone ist ein unglaublich attraktives Ziel."

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.