IT-Karriere Harter Kampf um Bits und Bytes

Für Informatiker werden die Berufsaussichten immer trüber. Die Einstiegsgehälter sinken, Quereinsteiger haben Schwierigkeiten, einen Job zu bekommen. Der Stern einer boomenden Branche sinkt. Was tun?

Berlin/Düsseldorf - Vor wenigen Jahren wurde um ihre Mitarbeit beinahe gebettelt. Heute dagegen müssen Informatiker und andere Experten der Informationstechnologie (IT) genauso auf Jobsuche gehen wie Hochschulabsolventen aus anderen Bereichen.

Begehrt sind nach Meinung von Experten allerdings auch in Zukunft Fachkräfte mit speziellen Kenntnissen und Zusatzqualifikationen, Quereinsteiger haben dagegen kaum noch Chancen auf dem IT-Arbeitsmarkt.

Vor dem Auftakt zur Computermesse CeBIT (12. bis 19. März) in Hannover müht sich die einst boomende IT-Branche weiter durch die schlechte Konjunktur: Umsatzeinbußen von 1,3 Prozent errechnete der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (BITKOM) in Berlin für das Jahr 2002.

"Der Mitarbeiterbedarf ist gesunken"

Die Beschäftigtenzahl im IT-Sektor sank von 819.000 auf 791.000. "Wir haben erstmals sinkende Zahlen", so Stephan Pfisterer vom Referat für Bildung und Personal bei BITKOM. "Der Mitarbeiterbedarf ist auf Grund des Auftragsmangels gesunken", bestätigt Alexander Felsenberg, Geschäftsführer des Deutschen Multimedia Verbands (dmmv) in Düsseldorf.

Gleichzeitig sank das Einstiegsgehalt der IT-Spezialisten: "Etwa 2000 Euro weniger verdienen Junginformatiker im ersten Jahr", sagt Arne Sievert, Vergütungsberater der Unternehmensberatung Kienbaum in Gummersbach. Insgesamt erhalte ein IT-Experte nach dem Berufsstart jährlich zwischen 36.000 und 44.000 Euro, so eine im November 2002 veröffentlichte Kienbaum-Studie.

Und die Schulabgänger scheinen bereits auf die Krise zu reagieren: Im Studienjahr 2002 nahmen erstmals seit 1995 weniger Abiturienten ein Informatik-Fachstudium auf als im Vorjahr - die Zahl ging um 17 Prozent zurück.

Der Bedarf an Fachkräften ist nach Meinung von Experten aber weiterhin hoch. "Jobsuchende bekommen zwar nicht mehr so einfach eine Stelle wie noch vor drei Jahren, aber es herrscht nach wie vor ein großer Fachkräftebedarf", sagt Bernhard Hohn, Arbeitsmarktexperte bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn.

Der Grund liegt in der nur langsam steigenden Zahl der Informatik-Absolventen: Anfang der neunziger Jahre entschieden sich auf Grund des schwachen IT-Marktes nur wenige Schulabgänger für ein Informatikstudium. Die höheren Erstsemesterzahlen in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre würden sich frühestens in zwei bis drei Jahren auf den Arbeitsmarkt auswirken, sagt Hohn.

Spezialisten dringend gesucht

"Vertriebskräfte mit Spezialkenntnissen, Programmierer oder Projektmanager mit einem hohen Spezialisierungsgrad haben weiterhin gute Aussichten", sagt Verbands-Experte Felsenberg. Laut Stephan Pfisterer von BITKOM sind nach wie vor Programmierer mit Kenntnissen der Programmiersprachen "C++" und "Java" gefragt.

Ebenso würden Wirtschaftsinformatiker, E-Logistiker, IT-Fachkräfte im Bereich Automobil sowie Experten für Sicherheit in der Datenverarbeitung gesucht. Wenig Personalbedarf bestehe hingegen in den Bereichen Design und Grafik sowie Marketing und Verwaltung, sagt Felsenberg.

Schlecht sind die Aussichten generell für Quereinsteiger: "Für zwei von drei Unternehmen ist vor allem Berufs- oder Branchenerfahrung das wichtigste Kriterium bei Neueinstellungen", sagt Felsenberg. Die Branche hatte in Boomzeiten noch stark auf Quereinsteiger aus anderen Wirtschaftszweigen gesetzt. "Der "Hype" ist aber vorbei", sagt Unternehmensberater Sievert. Heute würden die Bewerbungsunterlagen genau durchgesehen.

"Der Arbeitsmarkt wird sich bald entspannen"

"Besondere Sprachen, Praktika und spezielle Erfahrungen sind gefragt", sagt Sievert. Die Unternehmen achteten vermehrt auf Zusatzqualifikationen, bestätigt ZAV-Experte Hohn. Immer häufiger werde kaufmännisches Know-how gefordert: "Betriebe benötigen EDV-Experten, die mit Kaufleuten im Team arbeiten können und deren Sprache verstehen", so Hohn.

Doch die Branche ist vorsichtig zuversichtlich. Für 2003 prognostiziert BITKOM eine geringe Umsatzsteigerung von 0,4 Prozent. Besonders der Internet- und Telekommunikationsmarkt solle wieder anziehen: "Ich gehe davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt bald entspannen wird", sagt auch Bernhard Hohn. "Wird dagegen weiterhin auf Investitionen verzichtet, droht bald ein Innovationsstau", so der Arbeitsmarktexperte. Schließlich könnten wegen der kurzen Halbwertszeit im IT-Sektor technische Neuerungen nur für wenige Jahre zurückgestellt werden.

Allerdings müssen sich künftige IT-Kräfte auf veränderte Arbeitsformen einstellen: "Die Tätigkeit von IT-Fachkräften ist prädestiniert für eine freie oder projektbezogene Mitarbeit", so Hohn. In Zukunft würden deshalb wohl weniger IT-Experten zu einer langjährigen Festanstellung kommen.

Dietmar Telser, dpa

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