AOL Time Warner "Das war ein Fehler"

Nach Steve Case verlässt auch Konzernvize und CNN-Gründer Ted Turner das Unternehmen. Der Abschied wird von einem Rekordverlust bei AOL Time Warner begleitet. Auch Turner, immer noch größter Einzelaktionär, hat seit der umstrittenen Fusion mehr als fünf Milliarden Dollar verloren.

New York - AOL Time Warner hat 2002 den größten Jahresverlust in seiner Firmengeschichte verbucht. Das gab der größte Medienkonzern der Welt am Mittwoch nach Börsenschluss in New York bekannt. Zugleich kündigte der Konzern das Ausscheiden seines Vize-Vorsitzenden, des CNN-Gründers Ted Turner, an.

Der 64 Jahre alte Turner besitzt 132,5 Millionen oder 3,1 Prozent der ausstehenden AOL Time Warner-Aktien. Er ist damit der größte Einzelaktionär. Wie eine Firmensprecherin mitteilte, wird Turner aber Mitglied des Verwaltungsrates bleiben.

Knapp 100 Milliarden Dollar Verlust

Der Verlust des Unternehmens belief sich 2002 auf insgesamt 98,7 Milliarden Dollar. Fast die Hälfte davon ist Wertberichtigungen für die Internettochter AOL Online und den Kabelfernsehbereich zuzuschreiben. Allein diese Maßnahmen führten im vierten Quartal zu einem Verlust von 44,9 Milliarden Dollar.

Auf Anteilsbasis belief sich der Nettoverlust auf 10,04 Dollar nach 1,83 Milliarden Dollar Verlust oder 41 Cent je Aktie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Umsatz im vierten Quartal stieg um 10 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar.

Kritik am Zusammenschluss

Turner und viele anderen Beobachter haben immer wieder erklärt,dass der im Januar 2001 erfolgte Zusammenschluss von America Online mit Time Warner Inc ein Fehler gewesen sei. Die Börse bestätigte dies auch am Mittwochabend: AOL Time Warner fielen im nachbörslichen Handel um 10 Prozent auf 12,57 Dollar. Seit dem Zusammenschluss sind die Titel um 78 Prozent abgestürzt.

Gefördert wurde der Zusammenschluss von Gerald Levin, einem früheren Time Warner-Manager, der vor mehreren Wochen als Vorstandschef des fusionierten Unternehmens herausgedrängt wurde, und dem früheren Chef der America Online Inc und Vorsitzenden des Gesamtunternehmens, Steve Case, der wie Turner im Mai ausscheiden wird. Vorstandschef Richard Parsons wird Case ablösen und beide Ämter bekleiden.

"Der Rücktritt ist mir nicht leicht gefallen", erklärte Turner. Turner ist der Alleingründer von Turner Broadcasting, der Muttergesellschaft des Kabelfernsehnetzwerkes CNN und der TBS-Kabelkanäle. Turners Aktienpaket ist inzwischen nur noch 1,85 Milliarden Dollar wert - vor dem Zusammenschluss von AOL und Time Warner waren es noch 7,2 Milliarden Dollar.

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