Glosse Der Gutmensch von Redmond

Bill Gates hat einen schönen Plan. Microsoft will sein soziales Engagement in Deutschland stärker ausbauen, vor allem Schulen und Universitäten sollen profitieren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Von Karsten Schmidt

Gates hatte geladen, und alle waren sie erschienen: Herr Stoiber, Herr Schily, Frau Bulmahn und viele Würdenträger der bayerischen Landesregierung. Der Anlass ihres Daseins war eher nichtiger Natur, wichtiger erschien die Huld, die sie vom Redmonder Herrn der Bits und Bytes zu empfangen gedachten.

Denn neben dem Preis für die beste Schülerwebsite verlieh Herr Gates der Veranstaltung sein unnachahmliches Charisma, dieses emphatische Moment, das so tröstlich ist und hoffnungsfroh in einer Zeit des Hauens und Stechens und Zweifelns und Kriselns.

Während aber Gates in der Mehrzahl schwieg, sprachen Politiker große Worte. Innenminister Schily erschien die Erfindung des Computers ebenbürtig mit der des Buchdrucks. "Der PC hat eine neue Kulturtechnik begründet", sagte Schily weise und erhob dennoch den mahnenden Zeigefinder: Microsoft stehe deswegen "kein natürliches Monopol" zu.

Auch dem gescheiterten Schröder-Herausforderer Stoiber fehlte es nicht an guten Worten für einen seiner besten Steuerzahler im Freistaat. "Ein wichtiges Signal", so Stoiber, habe Microsoft mit seiner Entscheidung, nach Bayern zu gehen, gegeben. Die Höhe der Steuergeschenke, die der Freistaat Microsoft dafür im Gegenzug gegeben hat, nannte er nicht.

"Wir wollen gute Bürger sein"

Hernach bei der offiziellen Preisverleihung, erläuterte Edelgard Bulmahn die neue Strategie ihres chronisch mauen Ministeriums. "Bildung ist nicht nur Aufgabe der Regierung, sondern der gesamten Gesellschaft", tönte sie vollmundig. "Wir brauchen", so Bulmahn weiter, "die Kooperation mit den Firmen."

Da kommt der segensreiche Vorstoß von Microsoft gerade recht. Vor allem an Schulen und Universitäten will sich die Gates-Company noch stärker engagieren. Woher der innere Antrieb der rührigen Redmonder rührt? Bill Gates gibt die Antwort höchstpersönlich. "Wir wollten schon immer nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein, sondern gute Bürger."

Gute Bürger im bürgerlichen Deutschland, das klingt gut. Die PR-Strategen des reichsten Mannes der Welt sind klug. Sie treffen die deutsche Seele dort, wo sie am empfindlichsten und gleichzeitig am empfänglichsten ist: bei der Zukunft ihrer Kinder. Der hoffnungsfrohe Nachwuchs wird an den hoffnungslos veralteten Lehranstalten mit Gates' Hilfe in Zukunft noch mehr Zukunft haben, und das ganz selbstlos und gratis und ehrenhaft. Kein Zweifel: Bill Gates ist ein guter Mensch.

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