Sachverständige Die Weisen von morgen

Endlich war ein Ökonom gefunden, auf den sich alle einigen konnten. Doch Michael C. Burda will gar nicht Wirtschaftsweiser werden. Schon ist ein neuer Kandidat im Gespräch.

Berlin - Der Wirtschaftsprofessor Michael C. Burda hat sich entschlossen, nicht als einer der "Fünf Weisen" Nachfolger von Horst Siebert zu werden. Seine Berufung in das Gremium, das die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät, galt als sicher: Sowohl Wirtschaftsminister Clement, als auch Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände hatten Zustimmung signalisiert.

Die Nachfolge Sieberts erweist sich damit als unerwartet schwierig. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung legt in der Regel einmal im Jahr einen Bericht im Auftrag der Bundesregierung vor, das so genannte Herbstgutachten. Wer in dem Gremium arbeitet, darf sich zu den einflussreichsten Wirtschaftsexperten des Landes zählen.

Burda ist bemüht, das Gremium mit seiner Entscheidung nicht zu düpieren und betont statt dessen, dass er sich durch die Nominierung sehr geehrt fühle. Aber: "Ich bin noch jung, die Lebenserwartung steigt - ich habe noch viel vor mir", erklärte der angesehene Arbeitsmarktexperte gegenüber manager-magazin.de. Zum Beispiel arbeite er gerade an einem Forschungsprojekt über Zeitarbeit - "ganz plötzlich ein aktuelles Thema", wie er sich freut. Für Forschung bliebe ihm als Mitglied des Sachverständigenrates keine Zeit.

Nächster Kandidat: Wolfgang Franz

Presseberichten zufolge ist jetzt der Mannheimer Ökonom Wolfgang Franz als neuer Weiser im Gespräch. Für den Präsidenten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wäre es eine Rückkehr in das Gremium, dem er bereits 1994 bis 1999 angehörte. Der Arbeitsmarktexperte kündigte an, die Politik der Bundesregieung auch in Zukunft kritisch zu begleiten.

Die "Fünf Weisen" sind derzeit einem hohen politischen Druck ausgesetzt. Das jüngste Herbstgutachten, das die Politik der Bundesregierung in ungewohnt scharfer Form kritisierte, wurde vom ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden als "Professorengeschwätz" abgetan. In einem Interview mit der "Berliner Zeitung" beklagte Burda, dass die Regierung die eigenen Experten "als unfähig abgewatscht" hatte.

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