Jenoptik Erste Garnitur

Alexander von Witzleben, rechte Hand von Lothar Späth, ist Konzernchef im Wartestand. In diesem Jahr wird der 39-Jährige aus dem Schatten des Elefanten treten.

Jena - Er hält sich dezent im Hintergrund, ist aber immer da, wenn er gebraucht wird. Alexander von Witzleben ist seit Jahren die rechte Hand von Jenoptik-Vorstandschef Lothar Späth und bisher als Finanzvorstand der "Herr der Zahlen".

In diesem Jahr soll der 39-Jährige aus dem großen Schatten seines Chefs treten und das Ruder beim mit 10.000 Beschäftigten größten ostdeutschen Technologiekonzern Jenoptik  übernehmen. "Alles was die Zukunft betrifft, ist Herr von Witzleben. Was die Vergangenheit ist, bin ich", befand der Noch-Vorstandschef bei der Bekanntgabe vorläufiger Zahlen für das Geschäftsjahr 2002 in Jena.

Späth hatte sich früh für von Witzleben als Nachfolger an der Konzernspitze entschieden. Seit fast einem Jahr ist der Volks- und Betriebswirt, der 1993 nach Jena kam und seit 1997 Vorstand an der Seite des Konzernlenkers und ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten ist, im Wartestand. Bei der nächsten Hauptversammlung voraussichtlich am 18. Juni kommt dann der Wechsel.

"Der ist nicht so spröde, wie er manchmal wirkt"

Späth verspricht sich von seinem Nachfolger Kontinuität. Schließlich hat er einige Höhen und Tiefen bei der 1991 aus Teilen des konkursreifen DDR-Kombinats Carl Zeiss Jena gegründeten Jenoptik AG miterlebt.

"Witzleben kennt das Unternehmen wie kein anderer", heißt es in der Konzernzentrale. Fans unter den Angestellten hat er ohnehin. "Der ist nicht so spröde, wie er manchmal wirkt."

Der 65-jährige Späth hält ihn vor allem für "total belastbar". Keine schlechte Eigenschaft. Schließlich soll der in Hamburg geborene von Witzleben dafür sorgen, dass der Ertrags- und Umsatzeinbruch 2002 eine "Wachstumsdelle" bleibt. Ins kalte Wasser wird er dabei nicht geworfen. "Ich habe mit zunehmenden Alter mehr delegiert", sagt der Schwabe.

Fachmann für den Aufbau Ost

Im schwierigen Jahr 2002 war es besonders viel: Späth zog es zurück in die Politik und wurde von der Union als möglicher Bundeswirtschaftsminister ins Rennen geschickt.

Als das nicht klappte, bezog er wieder seinen Managerstuhl in der 13. Etage der Konzernzentrale. "Ich bin zwar da, kümmere mich aber nicht im Detail um das operative Geschäft."

Der Zeiss-Sanierer und Aufbauhelfer ist sich sicher, dass der Generationswechsel bei Jenoptik klappt. "Ich habe ein gutes Gefühl, was die Zusammenarbeit im Vorstand angeht." Der wird mit Späths Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats kleiner. Der neue Jenoptik-Chef will sich eine Doppelrolle aufbürden und weiter auch die Finanzen im Blick behalten.

Schließlich hat er auch mehr Zeit als sein Vorgänger. Der eilt quasi als Fachmann für den Aufbau Ost von Termin zu Termin, moderiert nebenbei noch Talk-Shows und wohnt in Jena im Gästehaus. Von Witzleben, der vor Jenoptik Erfahrungen bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in München sammelte, zog mit Frau und zwei Kindern gleich nach Thüringen.

Simone Rothe, dpa

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