Mittwoch, 18. September 2019

Management Wer flüstert, lügt

Wer weiß was? Wer hat mit wem gesprochen? Wie geht es weiter? In der Konjunkturkrise erlebt der Flurfunk eine ungesunde Renaissance. Die Unsicherheit der Mitarbeiter schürt Konflikte und senkt die Motivation. Was tun?

Hamburg - In deutschen Unternehmen gewinnen derzeit uralte Formen der Kommunikation neue Bedeutung. Während die Boomjahre der 90er eine Zeit der Meetings, der strategischen Reden und des zupackenden Brainstormings waren, blühen in der Konjunkturkrise Flurfunk und Gerüchte.

Geheimnisvoll: Hannelore Elsner und Hubertus Meyer-Burckhardt
Solidarität oder Konkurrenz - der Umgang der Menschen miteinander wird vor allem in von Arbeitsplatzabbau betroffenen Firmen auf eine harte Probe gestellt.

Wo früher höchstens die Abluft aus Kopiergeräten oder der Zigarettenrauch vom Schreibtisch nebenan das Job-Klima beeinträchtigte, ist heute in vielen Firmen ein Hauch von grundsätzlicher Unsicherheit dazugekommen. Wer weiß was? Wie gehts weiter? Wer hat mit wem gesprochen? Und über was?

"Es rumort im Betrieb"

"Je unklarer die Situation ist, desto heftiger kocht die Gerüchteküche", sagt die Leipziger Professorin für Arbeitspsychologie Gisela Mohr. "Es rumort im Betrieb." Sind die Kollegen in die Pläne aus der Chefetage vielleicht eingeweihter? "Es werden wenige klare Informationen gegeben, aber etwas dringt immer nach außen", sagt Mohr.

"Die Leute wollen mehr über die großen Prozesse der Firma informiert werden, und da sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf offiziellem Wege weniger erfahren, floriert die "soft communication", also das informelle Gespräch", sagt die Zürcher Sprachwissenschaftlerin Ulla Kleinberger Günther.

"Wer gegenüber Kollegen Informationen herausgibt, meint meist fälschlicherweise, er verliert etwas", sagt Kleinberger Günther. In vielen Fluren geht es deshalb zu wie auf dem Krämermarkt - die Ware: Informationen. Viele wollen viel erfahren - und möglichst wenig preisgeben.

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