Fiat Gianni Agnelli ist tot

Fiat ist Italien - und er machte Fiat groß. Der Auto-Tycoon Gianni Agnelli ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Eigentlich sollte sein Enkel John Elkann als neues Konzernoberhaupt präsentiert werden. Aber dazu kam es nicht.

Turin - Gianni Agnelli, einer von Italiens mächtigsten Managern, ist im Alter von 81 Jahren in seinem Haus gestorben. Ein Sprecher des Unternehmens gab seinen Tod am Freitagmorgen bekannt.

Agnelli, dessen Vorname eigentlich Giovanni lautet, hat das Familienunternehmen Fiat zu einem weltweit operierenden Konzern ausgebaut. Zuletzt war er Ehrenvorsitzender des Konzerns. Im Laufe des vergangenen Jahres hatte sich sein Gesundheitszustand zusehends verschlechtert. Der Patriarch litt an Knochen- und Prostatakrebs. Bis vor kurzem plante er eine längere Behandlung durch amerikanische Spezialisten.

Für seinen heutigen Todestag war die Jahresversammlung des Konzerns mit weitreichenden Entscheidungen geplant. Agnelli hatte vor, hier seinen Nachfolger zu inthronisieren: seinen Enkel John Elkann, 26.

Elkann soll demnach in Zukunft das vom "Avvocato" gehaltene 30,6-Prozent-Paket - den größten Einzelanteil - an der Familienholding Giovanni Agnelli & Cie vertreten. Damit gewänne der junge Wirtschaftsingenieur innerhalb des Agnelli-Clans und des von ihm kontrollierten Fiat-Konzerns immens an Einfluss.

Dem Vernehmen nach soll Elkann im Mai auf der Hauptversammlung des größten italienischen Industrieunternehmens zum Vizepräsidenten gekürt werden.

Dessen Onkel, Umberto Agnelli, gedachte der Patriarch nur für eine Übergangszeit die Präsidentschaft anzuvertrauen. Als sicher gelten die Rücktritte von Paolo Fresco, 69, und seinem Stellvertreter Franzo Grande Stevens, 67, die im Moment die entsprechenden Positionen innehaben.

Vorbild für junge Italiener

Vorbild für junge Italiener

Neben der Personalfrage muss auch geklärt werden, ob und inwieweit die Mitglieder der Familie an einer Kapitalerhöhung der Fiat-Holding teilnehmen können. Analysten schätzen, dass Fiat etwa drei Milliarden Euro an frischem Kapital benötigte. Davon müssten die Agnellis, die über die Holdings Ifi und Ifil 34 Prozent der Fiat-Anteile halten, etwa eine Milliarde Euro aufbringen.

Agnelli hatte 30 Jahre lang - von 1966 bis 1996 - den Fiat-Konzern als Präsident geleitet. Danach wurde er zum Ehrenpräsidenten ernannt und galt weiterhin als die graue Eminenz des Agnelli-Clans. Er spielte bis zuletzt eine wichtige Rolle bei der Suche nach einer Lösung der Fiat-Krise. Das größte italienische Unternehmen ist schwer verschuldet.

Der Patriarch war auch ein gesellschaftliches Vorbild: Er trug die Rolex auf der Hemdmanschette, ließ die Krawatte aus dem Jackett hängen - und Tausende junger Italiener machten es ihm nach. Selbstdisziplin sah er als Schlüsseltugend an, zur Schau gestellte Gefühle hielt er für "stillos".

2000 nahm sich sein einziger Sohn, Edoardo, das Leben. Ihn hatte er stets für zu wenig diszipliniert gehalten, um im Konzern eine tragende Rolle zu spielen. Aus der Ehe mit der neapolitanischen Prinzessin Marella Caracciolo ging außerdem eine Tochter hervor, Margherita.

Erzogen wie ein Königssohn

Deren Sohn John Elkann - sein Vater ist der New Yorker Schriftsteller Alain Elkann - ist die neue Hoffnung der Agnelli-Familie. Seit sechs Jahren weiß er, welche Aufgabe für ihn vorgesehen ist und er wurde wie ein Königssohn darauf vorbereitet.

Förderer und Berater des jugendlichen Managers wurde auf Geheiß des Großvaters Paolo Fresco, der derzeitige Fiat-Präsident. Er schickte Elkann auf Eliteschulen, machte ihn mit Größen wie Bill Gates und Michael Dell bekannt - ließ ihn aber auch inkognito am Fließband schuften. Dennoch bestehen Zweifel, dass Elkann eine glückliche Wahl ist: Er gilt als ausgesprochen schüchtern.

Dem Lebenswerk droht der Ausverkauf

Dem Lebenswerk droht der Ausverkauf

Bereits in den neunziger Jahren hatte Agnelli einen Nachfolger präsentiert, seinen Neffen Giovannino. Der hatte zuvor die Fiat-Tochter Piaggio geleitet, die die berühmten Vespa-Roller herstellt. Doch wenige Monate später starb Giovannino an Darmkrebs.

Seither ging es mit dem Konzern bergab. Fiat verschlief den neuerlichen Kleinwagen-Trend. Heute ist die Automobilsparte der schuldenträchtigste Konzernzweig.

Würde aber der amerikanische Autobauer General Motors 2004 von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und die Fahrzeugfertigung und -entwicklung übernehmen, käme das einer nationalen Katastrophe gleich: Mit keiner Marke identifizieren sich die Italiener so wie mit Fiat.

Eine andere Variante wäre die Sanierung durch italienische Banken, die dafür aber auf einen eigenen Vorstand bestehen. Genau diesen Weg bevorzugt Giannis Bruder Umberto, der zurzeit die Konzerngeschicke lenkt. Das war aber einer der größten Albträume Giannis: Fiat ohne die Agnellis.

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