Fürstenberg Vom Prinzen zum Fürsten

Früher "Fürsti", heute "Durchlaucht" - der Erbprinz zu Fürstenberg trägt nicht nur einen klangvollen Titel, er hat auch eine große Aufgabe vor sich. Der 25-Jährige ist Alleinerbe des Hauses.

Donaueschingen - In der Schule wurde er schlicht "Fürsti" genannt, heute wird er mit "Durchlaucht" angesprochen. Christian Joachim Maximilian Erbprinz zu Fürstenberg trägt nicht nur einen klangvollen Titel, er hat auch eine große Aufgabe vor sich. Der 25-Jährige ist Alleinerbe des Hauses Fürstenberg mit Stammsitz in Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis).

Er steht damit in der Pflicht eines der ältesten und bedeutendsten Hochadelsgeschlechter Europas: "Meine Aufgabe ist es, die Tradition meiner Familie zu bewahren und unser Haus in die Zukunft zu führen", sagt der Erbprinz.

Sein Großvater, Fürst Joachim, hat das Fürstenhaus von 1973 bis zu seinem Tod im Juli 2002 geführt. Das Erbe hat nicht der Sohn angetreten, Heinrich Fürst zu Fürstenberg (52), sondern der Enkel. Die Geschäftsführung hat Prinz Christian allerdings noch nicht übernommen.

Erst will er seine Ausbildung abschließen: In voraussichtlich acht Jahren soll er nach Donaueschingen zurückkehren und später das Haus Fürstenberg übernehmen. Bis dahin führen sein Vater Heinrich und Geschäftsführer Hans-Rüdiger Schewe die Geschäfte.

"Vor meiner neuen Tätigkeit habe ich großen Respekt"

"Vor meiner neuen Tätigkeit habe ich keine Angst, aber einen großen Respekt", sagt der junge Adelige, der 1977 in Donaueschingen geboren wurde und auch dort aufgewachsen ist. Sein Elternhaus steht direkt neben dem Fürstlichen Schloss, der dazu gehörenden Donauquelle und den Fürstlichen Reitställen. "Ich habe schon von klein auf gewusst, dass ich einmal das Erbe unseres Hauses übernehmen werde", sagt der Erbprinz. Dass dies so früh sein wird, damit habe er aber nicht gerechnet.

Seit einem Jahr lebt Erbprinz Christian in Hamburg. Dort bereitet er sich auf seine künftige Aufgabe vor. In einer international operierenden Bank sammelt der Immobilien-Ökonom in Ausbildung Management-Erfahrungen. Zusätzlich wird er in Berlin an der European Business-School ein Zusatzstudium absolvieren.

"Nicht das große Geld machen"

"Ich möchte mich nicht hinter meinem Titel verstecken. Ich möchte beweisen, dass ich wirtschaftlich erfolgreich agieren kann", sagt der Erbprinz. Die zum Fürstenhaus gehörenden Wirtschaftsunternehmen und Besitztümer will er erfolgreich verwalten. "Das ist eine enorme Herausforderung für mich."

Zwar könne er sich beispielsweise eine Expansion des Immobiliengeschäftes vorstellen. Doch in erster Linie gehe es darum, das Unternehmensnetz und die tiefe Verwurzelung des Hauses in der Region zu erhalten. "Ein Fürstenhaus kann man nicht wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen führen. Man sollte nicht versuchen, das große Geld zu machen."

Seiner gesellschaftlichen Rolle ist sich Prinz Christian bewusst. Die Bodenhaftung hat er dennoch nicht verloren. Ob beim Gang durchs das Donaueschinger Schloss, bei der Visite in der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei oder beim Gespräch mit Bediensteten: Der Adelige gibt sich unkompliziert, offenherzig und bürgernah.

"Adel ist für mich, dass ich seriös lebe und arbeite"

Die Tatsache, dass "blaues Blut" durch seine Adern fließt, ist für den Erbprinzen nach eigenem Bekunden kein Freibrief, sondern vor allem Verpflichtung. "Adel bedeutet für mich nicht, dass man jeden Tag im Rampenlicht und in den Schlagzeilen steht. Adel ist für mich, dass ich seriös lebe und arbeite. Und dass ich mir der Geschichte unseres Hauses bewusst bin."

In der Schule hatte der Prinz früher Schwierigkeiten: "Ich war kein guter Schüler. Ich musste auch eine Klasse wiederholen." Doch nach dem Besuch eines Elite-Internats in der Schweiz ging er zum Studium in die USA. An der Georgetown University in Washington studierte er sechs Jahre lang Wirtschaft und Kunstgeschichte. Heute spricht er Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Für seine Hobbys - Schießen, Reiten, Jagen, Skifahren, Snowboard und Rudern - hat er nur wenig Zeit.

Jürgen Ruf, dpa

Fürstenberg: Adelsgeschlecht, Mischkonzern

Fürstenberg gehört zu den ältesten deutschen Adelsfamilien. Das katholische Geschlecht aus schwäbischem Uradel wurde im Jahr 1070 erstmals urkundlich erwähnt. Das Haus hat eine große wirtschaftliche Bedeutung, besonders für Baden-Württemberg.

Die Fürstenbergs gehören neben dem Hause Thurn und Taxis zu den größten privaten Waldbesitzern in Deutschland. Der Holz- und Forstbetrieb ist ein wichtiges Standbein des Unternehmens. Bundesweit bekannt geworden ist Fürstenberg durch die gleichnamige Brauerei.

Bereits im Jahre 1283 wurde den Fürstenbergs das Braurecht verliehen. Die gesamte Firmengruppe, die auch über zahlreiche Liegenschaften, Immobilien und wertvolle Kunstschätze verfügt, beschäftigt derzeit rund 800 Mitarbeiter.

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