Fiat-Krise Kabale und Liebe

Der angeschlagene Konzern weckt die Begehrlichkeiten der Sanierer. Bisher bot sich Roberto Colaninno als Partner an, doch mit ihm will der federführende Agnelli-Clan die Macht nicht teilen. Emilio Gnutti dagegen scheint gute Karten zu haben: Er genießt das Vertrauen der Familie und des Ministerpräsidenten.

Rom - Der Fall Fiat wird immer komplizierter. Zwar konnte der krisengeschüttelte italienische Konzern im Dezember höhere Verkaufszahlen in der Automobilsparte melden und vor wenigen Tagen stolz verkünden, er habe seine hochgesteckten Ziele beim Schuldenabbau erreicht.

Die leichte Besserung der Situation macht nun vor allem gewichtigen italienischen Finanziers Appetit auf einen Anteil an dem Traditionsunternehmen. Fast täglich werden neue Rettungsmodelle präsentiert, während sich gleichzeitig ein Duell zweier Größen der italienischen Finanzwelt anzubahnen scheint: Roberto Colaninno gegen Emilio Gnutti.

Während der Ex-Telecom-Manager Colaninno schon vor knapp zwei Wochen einen neuen Sanierungsplan angekündigt hat, tauchte der Name Gnutti erst jetzt in den Medien auf. Der 55-jährige Self-Made-Finanzier und Autonarr aus Brescia will über seine Gesellschaft Hopa, die er 1999 aus dem Nichts aufgebaut hatte, als Geldgeber fungieren. Bis zu 500 Millionen Euro will Gnutti angeblich in das defizitäre Turiner Unternehmen investieren - und hat dabei schon vor dem Startschuss zu möglichen Verhandlungen zwei große Vorteile.

Berlusconi: Interesse an Gnutti-Lösung

Zum einen kann er mehr als Colaninno auf die Unterstützung der Fiat-Dynastie Agnelli und der Regierung zählen. Denn schließlich ist kein geringerer als Ministerpräsident Silvio Berlusconi über seine Gesellschaften Finivest und Mediaset SpA mit über fünf Prozent an der Hopa beteiligt. Zum anderen strebt Gnutti - anders als Colaninno - keinen Platz in der Fiat-Führungsspitze an. Stattdessen ist immer häufiger der Name von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo als Nachfolger von Paolo Fresco im Gespräch.

Gerüchten zufolge soll Berlusconi sich bereits mit Gnutti getroffen haben, um Einzelheiten des neuen Plans zu besprechen. Berlusconi hingegen bestreitet dies bisher hartnäckig: "Ich habe niemanden eingeladen und weiß auch nur das, was mir meine Minister sagen", erklärte der Politiker unlängst.

Colaninno: Immer eine Aktie weniger

Colaninno: Immer eine Aktie weniger

Roberto Colaninno will seinen Plan voraussichtlich Ende dieser Woche vorlegen. Er ließ bereits durchblicken, dass er als Geldgeber auch auf dem Posten des Vorstandschefs besteht. "Gleichzeitig bin ich aber bereit, immer eine Aktie weniger als die Agnellis zu halten", gab sich der 59-jährige Norditaliener kompromissbereit.

Trotzdem sind vor allem die Gläubigerbanken des Konzerns nicht glücklich mit dem Modell Colaninno. Dies vor allem, weil er nach eigenen Angaben die Partnerschaft mit dem US-Giganten General Motors Co. überprüfen will, der den Turinern laut Vertrag ab 2004 auf deren Wunsch die Autosparte abkaufen muss.

"Abspaltung schlichtweg falsch"

Unterdessen wird bei Fiat momentan auch heiß diskutiert, ob die Autosparte zukünftig vom Rest des Konzerns abgespalten und eigenständig an der Börse notiert werden soll. Da stellen sich aber bereits die Gewerkschaften quer. "Eine Abspaltung wäre schlichtweg falsch, weil dies die Wahrung der Interessen und die Entwicklung von Fiat Auto erschweren würde. Denn schließlich würden in diesem Fall alle Schulden und Schwierigkeiten in diesem einen Teil von Fiat gebündelt", erklärte Luigi Angeletti von der Gewerkschaft UIL.

Colaninno: Krisenmanager non grata Fiat: Agnelli-Clan auf dem Rückzug?


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