Donnerstag, 27. Juni 2019

CNN Neuer Feldherr im Nachrichtenkrieg

Walter Isaacson hat den denkbar schlechtesten Zeitpunkt gewählt, um seinen Chefsessel bei CNN zu räumen. Nun muss Nachfolger Jim Walton den News-Sender für den drohenden Irak-Krieg drillen.

Atlanta - Walter Isaacson (50), Chef und Verwaltungsratsvorsitzender der Kabelfernseh-Nachrichtenfirma CNN News Group, verlässt das Unternehmen im Frühjahr. Er wird Präsident und Leiter des Aspen Institute, einer Führungskräfte- und Forschungsorganisation mit Sitz in Washington. Das Aspen Institute hält enge Kontakte zu Spitzenpolitikern in aller Welt.

 Das alte und neue Gesicht der mächtigen Newsmacher: Walter Isaacson (links) und sein Nachfolger als CNN-Chef, Jim Walton
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Das alte und neue Gesicht der mächtigen Newsmacher: Walter Isaacson (links) und sein Nachfolger als CNN-Chef, Jim Walton
Jim Walton (44), ein langjähriger CNN-Veteran, wird Nachfolger von Isaacson. Er war bisher als Präsident für die Tagesgeschäfte der CNN News Group zuständig. Walton arbeitet seit 22 Jahren bei CNN und hat dort praktisch alle Abteilungen durchlaufen. Dies berrichtet CNN am Montag. Eason Jordan (42), der Leiter der Nachrichtenbeschaffung, werde weiterhin diesen Bereich führen.

Isaacson hatte erst vor 18 Monaten die Führung von CNN übernommen. Er sollte dem durch harte Konkurrenz anderer Nachrichtensender und rückläufige Einschaltquoten unter Druck geratenen globalen Marktführer bei Fernsehnachrichten neue Impulse geben. Nach Angaben des Senders verlässt Isaacson CNN auf eigenen Wunsch.

AOL und CNN: Die Führungsriege tritt ab

Die Ankündigung kam einen Tag nachdem Steve Case, der Verwaltungsratsvorsitzende der CNN-Mutter AOL Time Warner, seinen Rücktritt für Mai angekündigt hatte. AOL Time Warner ist der weltgrößte Medien- und Onlinekonzern und leidet momentan unter Problemen beim Online-Dienst AOL. America Online hatte den Medienkonzern Time Warner vor zwei Jahren für 106 Milliarden Dollar übernommen, doch war die Mammuthochzeit erfolglos geblieben. Inzwischen kontrollieren ehemalige Time-Warner-Führungskräfte den Gesamtkonzern.

Isaacson war früher Redaktionsdirektor des "Time"-Magazins, ehe er den CNN-Posten im Juli 2001 angenommen hatte. Er hatte insgesamt 24 Jahre für Time Warner gearbeitet. CNN und «Time» gehören beide zu AOL Time Warner.

Krieg für die Quoten, Krieg um die Quoten

CNN steht mit "Fox News" und anderen Nachrichtensendern und -programmen in immer härterem Konkurrenzkampf. "Fox News" ist besonders erfolgreich. Dieser TV-Nachrichtensender gehört der News Corp. des Medienzaren Rupert Murdoch.

Der Rücktritt Isaacsons kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, weil sich die amerikanischen Medien und Fernsehsender auf einen möglichen Irak-Krieg vorbereiten. Ein solcher Konflikt bringt normalerweise mehr Zuschauer und höhere Einschaltquoten.

Isaacson bezeichnete den Job beim Aspen Institute als unerwartete Gelegenheit. Der Zeitpunkt sei nicht perfekt, doch handele es sich genau um die Position, die er sich lange gewünscht habe.

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