Fiat Agnelli-Clan droht die Entmachtung

Italiens Premierminister Berlusconi hat sich in die Krise beim maroden, italienischen Autobauer eingeschaltet. Seine Lösung: Den früheren Chef der Telecom Italia als Großaktionär zu inthronisieren. Dagegen sträubt sich der noch dominierende Agnelli-Clan.

Mailand - Das Veto des Fiat-Patriarchen Umberto Agnelli war klar und unmissverständlich: Im Interview der Zeitung "Il Sole 24 Ore" sagte er, seine Familie wolle ihre Anteile an Fiat behalten. Es sei jedenfalls undenkbar, dass der frühere Chef der Telecom Italia , Roberto Colaninno, eine Beteiligung größeren Umfanges an Fiat erwerbe - von einer Mehrheit ganz zu schweigen. Dafür gebe es im übrigen keine Pläne, behauptete Agnelli.

Zumindest letztere Aussage scheint eher von Wunschdenken denn von Realitätssinn geprägt. Seit Tagen berichten italienische Zeitungen, Colaninno werde die Hälfte einer geplanten Finanzspritze in Höhe von zwei Millionen Euro für Fiats Autosparte aufbringen. Als Gegenleistung könne der Manager die Mehrheit der Anteile an Fiat Auto und damit die Macht übernehmen. Diese "italienische Lösung" ist den Berichten zufolge Berlusconis Wunschvariante - ein Verkauf des Autounternehmens an General Motors (GM)  oder andere ausländische Investoren soll so verhindert werden.

Colaninnos Tournee durch die Konzernzentralen

Auch die "Financial Times" ("FT") berichtet am Donnerstag, Colaninno werde in den kommenden Tagen Verhandlungen über eine Mehrheitsübernahme bei Fiat aufnehmen. Ziel sei es, die Agnellis zu verdrängen und alle Sparten des verschuldeten Mischkonzerns zu verkaufen, die nichts mit der Autoproduktion zu tun haben. Colaninno könne dann zugleich Vorstandsvorsitzender des Unternehmens werden. Der frühere Olivetti-Chef gilt als erfahrener Sanierer, seitdem er 1999 die Telecom Italia übernommen hatte. Als Chef der Gruppe musste er 2001 seinen Hut nehmen.

Die "FT" schränkt ein, der Colaninno-Plan sei noch nicht ausgereift. So sei Minderheitsaktionär GM noch nicht eingeweiht. Ob das Vorhaben realisiert werde, hänge unter anderem auch vom Votum der Gläubigerbanken ab. Berlusconi und der Finanzkonzern Mediobanca waren im vergangen Jahr schon einmal mit einem Putsch-Plan gescheitert. Damals hatten sie vergeblich versucht, Fiat-Aufsichtsratschef Paolo Fresco zu stürzen und das mit den Gläubigern ausgearbeitete Sanierungskonzept zu ändern.

Küsse im Cinquecento

Dennoch haben die Gerüchte die Fiat-Aktien an der Mailänder Börse in die Höhe getrieben. Das Fiat-Papier schaffte bis mittags einen Kurssprung von 5,55 Prozent auf 8,19 Euro. Der Mibtel-Index gewann in der selben Zeit 1,69 Prozent auf 17.781 Punkte hinzu.

Berlusconi hatte zuletzt Anfang der Woche für eine "italienische Lösung" der Fiat-Frage geworben. GM sei an einem Kauf weniger interessiert als italienische Investoren. Berlusconi sagte, seiner Ansicht nach müsse Fiat mehr in die Autosparte investieren - selbst wenn dies den Verkauf anderer Vermögenswerte bedeute. "Ich hoffe, dass die Agnelli-Familie sich dazu entschließen wird, mehr Kapital in Fiat Auto zu stecken". Die Agnellis schuldeten dies nicht nur den Konzern-Mitarbeitern, sondern auch der Regierung, die dem Konzern geholfen habe.

Berlusconi hatte seine emotionale Verbundenheit zu Fiat bereits mehrfach zum Ausdruck gebracht. Vor Vertretern der Autoindustrie hatte er im vergangenen Jahr gefordert: "Fiat muss italienisch bleiben. Viele von uns haben ihr erstes Mädchen im Fiat 500 geküsst."

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