Paulus Neef Der Letzte macht das Licht aus

Der Pixelpark-Gründer war einer der schillerndsten Stars der New Economy. Jetzt räumt Paulus Neef die Bühne - als gescheiterter Visionär.

Berlin - Paulus Neef ist einer der letzten einstigen Internetstars, die die Bühne verlassen. Erst Anfang Dezember sagte er voller Optimismus, dass er nicht vorhabe, zu gehen. "Ich bleibe auf jeden Fall und plane keinen Rückzug", sagte er. Nun ist sein Abgang beschlossen - freiwillig oder erzwungen. Dass sich Neef von seinen Aktien trennen will, steht schon länger fest.

Als Neef vor elf Jahren seine Multimediaagentur Pixelpark in einem Berliner Hinterhof gründete, betrat er Neuland. Weder der Begriff Internet noch das Medium selbst waren bekannt. Bald fiel seine Firma durch flott gestaltete Internetseiten auf, der Aufstieg von Pixelpark und Neef waren rasant.

Anders als den inzwischen gescheiterten Showleuten des Neuen Marktes wie den Haffa-Brüdern oder Peter Kabel lagen dem studierten Medienberater Neef öffentliche Auftritte und PR-Rummel weniger. Er war allerdings eher ein Mann der Visionen und weniger der Betriebswirtschaft.

Vom Paulus zum Saulus

Er träumte von "offenen, harmonischen" Strukturen. Gute Webseiten wollte er gestalten und das weltweit für namhafte Kunden. Mit Mitarbeitern, die sich "Pixel" nannten und "Paulus" duzten im lockeren Start-up-Flair. Eine Dependance nach der anderen wurde eröffnet, das Geschäft wurde breiter und internationaler.

Als die Zeiten rauer, Pixelpark-Aktien wertloser und der Spaßfaktor geringer wurden, musste sich Neef als einer der ersten "New-Economy"-Jünger sogar mit bisher verpönten Betriebsräten auseinander setzen - wie in einer Autofabrik. Nach den Pannen gestand Neef später: "Wir haben Fehler gemacht." Innovative Ideen allein, das habe er gelernt, seien keine Basis für stabile Wirtschaftlichkeit.

"Der Neue Markt war das Woodstock der New Economy"

Unbestritten war Paulus Neef ein begnadeter Verkäufer, der die Großkonzerne von den Segnungen des Internet überzeugen konnte. Sein großes Plus: er selbst war von seinen Visionen absolut überzeugt und hatte ein Charisma, das fast an Sendungsbewusstsein grentzte. So beschreiben ihn auch die Mitarbeiter der ersten Stunde.

Immer wieder wurde Neef bestätigt, er sei genial im Gespräch und wirke äußerst seriös. Außerdem verstand er es, durch seine seine äußere Erscheinung zu überzeugen. Er suchte die Öffentlichkeit und unterschied sehr fein, wem er seine Gunst erwies. Sein größter Fehler nach Ansicht eines Insiders: "Der Neue Markt war das Woodstock der New Economy. Neef hat den Boden unter den Füßen verloren, seine Stärken und Kompetenzen gerieten ins Hintertreffen."

Zu den "gefallenen Engeln" des Neuen Marktes gehört der heute 42-Jährige spätestens seit Bekanntgabe des Pixelpark-Rekordverlustes von 86 Millionen Euro im Jahr 2001. Aber anders als Peter Kabel und Konsorten blieb Neef seinem Unternehmen treu - bis zur bitteren Neige. Jetzt macht er das Licht aus, seine Ära ist vorbei.

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