Führungswechsel Neue Nummer eins bei Bosch

Viele Monate quälte sich Konzernchef Hermann Scholl mit der Auswahl eines würdigen Thronerben. Nun hat sich der 67-Jährige entschieden. Die neue Nummer eins ist deutlich jünger und übernimmt Deutschlands größten Autozulieferer in einer schwierigen Phase.

Stuttgart - Die Robert Bosch GmbH verjüngt ihre Geschäftsführung. Der 53-jährige Franz Fehrenbach löst im Juli 2003 den amtierenden Bosch-Chef Hermann Scholl (67) an der Spitze des Elektro- und Fahrzeugtechnikkonzerns ab. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit.

Fehrenbach ist seit 1999 Mitglied der Geschäftsführung des zweitgrößten Automobilzulieferers der Welt und bisher vor allem für das erfolgreiche Diesel-Geschäft zuständig. Er wird erst der sechste Konzernlenker in der 116-jährigen Bosch-Geschichte sein.

Das als erzkonservativ geltende Unternehmen leitet mit der Personalie überraschend einen Generationswechsel an der Spitze ein. Fehrenbach zählte zwar zu den Anwärtern auf den Posten von Scholl. Als Favorit galt jedoch in Unternehmenskreisen der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung Tilman Todenhöfer.

Wie ebenfalls am Donnerstag bekannt wurde, wird sich der unterlegene Todenhöfer aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Der heute 59-Jährige Personalchef verabschiedet sich Ende 2003 in den Aufsichtsrat. Bereits ein halbes Jahr früher, zum 1. Juli 2003, wird Scholl aus der Geschäftsführung ausscheiden und als neuer Vorsitzender an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln.

Scholl wirkt nicht nur als AR-Chef weiter

Scholl sichert sich auch mit einem zweiten Posten bleibenden Einfluss auf die Geschicke des Konzerns. Der eher unscheinbar wirkende, aber unverändert machtbewusste Bosch-Obere, der 1993 das Konzernruder von dem ehemaligen Allianz-Manager Marcus Bierich übernommen hatte, leitet weiterhin die einflussreiche Industrietreuhand KG.

In dieser Gesellschaft, in der neben Mitgliedern der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats auch ein Enkel des Firmengründers Robert Bosch vertreten ist, werden alle wegweisenden Entscheidungen für den Konzern getroffen. Das Kontrollgremium, das allein auf seinen Vorsitzenden hört, besitzt weit mehr Macht als der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft.

Die Mitglieder, darunter Honoratioren wie der ehemalige DIHT-Präsident Hans Peter Stihl und UBS-Generaldirektor Urs Rinderknecht, sind noch von Bosch-Legende Hans L. Merkle handverlesen. Der einst ehrfürchtig "Gottvater" genannte Firmenpatriarch, 2000 verstorben, hatte den Autozulieferer 35 Jahre lang dominiert.

Fehrenbachs schwere Aufgabe

Fehrenbach steht vor schwieriger Aufgabe

Scholls Nachfolger Fehrenbach hat seit 1975 praktisch sein ganzes Berufsleben in dem mit 218.000 Mitarbeitern größten in der Form einer GmbH geführten Unternehmen Deutschlands verbracht. Seit 1999 in der Geschäftsführung, ist er dort für Dieseltechnik und die von Mannesmann hinzu gekaufte Tochter Bosch Rexroth zuständig.

Fehrenbachs Stellvertreter wird Forschungs- und Entwicklungschef Siegfried Dais (54), dem im Vorfeld ebenfalls Chancen auf den Posten des Bosch-Chefs eingeräumt worden waren.

Bis vor einem Jahr galt der 53 Jahre alte Stephan Rojahn als Favorit für Scholls Nachfolge. Nach dem Verlust wichtiger Aufträge beim Autoradio-Hersteller Blaupunkt musste er aber als für den Bereich zuständiger Geschäftsführer gehen. Als Chef des Stuttgarter Lackieranlagen-Herstellers Dürr hat Rojahn inzwischen einen neuen Arbeitsplatz gefunden (siehe: "Wechselfälle") .

Der neue Vorsitzende der Geschäftsführung übernimmt Bosch in einer schwierigen Phase. Der Konzern leidet unter der Flaute der Autobranche, in der Bosch mehr als zwei Drittel des Umsatzes macht. Erstmals seit vielen Jahren rechnet der Konzern nur durch die Neu-Konsolidierung der früheren Mannesmann Rexroth mit einem Umsatzwachstum auf 35 (2001: 34,03) Milliarden Euro.

Der Gewinn vor Steuern werde 2002 bei 1,4 Milliarden Euro stagnieren, hatte Scholl kürzlich eingeräumt. Das Renditeziel von sieben Prozent des Umsatzes sei auch 2003 nicht erreichbar. In der Produktion von Anlassern in Hildesheim muss Bosch bis 2005 rund 830 von 2000 Stellen abbauen.

Bosch: Übernahmen steigern den Umsatz 2002 Bosch-Chef Scholl: "2001 war kein gutes Jahr" Gralshüter: Bosch verschläft die Modernisierung


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