Dienstag, 19. November 2019

Führungswechsel Neue Nummer eins bei Bosch

Viele Monate quälte sich Konzernchef Hermann Scholl mit der Auswahl eines würdigen Thronerben. Nun hat sich der 67-Jährige entschieden. Die neue Nummer eins ist deutlich jünger und übernimmt Deutschlands größten Autozulieferer in einer schwierigen Phase.

Stuttgart - Die Robert Bosch GmbH verjüngt ihre Geschäftsführung. Der 53-jährige Franz Fehrenbach löst im Juli 2003 den amtierenden Bosch-Chef Hermann Scholl (67) an der Spitze des Elektro- und Fahrzeugtechnikkonzerns ab. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit.

 Wachwechsel: Bosch-Chef Hermann Scholl (l.) macht Platz für Franz Fehrenbach, bleibt aber am Drücker
Wachwechsel: Bosch-Chef Hermann Scholl (l.) macht Platz für Franz Fehrenbach, bleibt aber am Drücker
Fehrenbach ist seit 1999 Mitglied der Geschäftsführung des zweitgrößten Automobilzulieferers der Welt und bisher vor allem für das erfolgreiche Diesel-Geschäft zuständig. Er wird erst der sechste Konzernlenker in der 116-jährigen Bosch-Geschichte sein.

Das als erzkonservativ geltende Unternehmen leitet mit der Personalie überraschend einen Generationswechsel an der Spitze ein. Fehrenbach zählte zwar zu den Anwärtern auf den Posten von Scholl. Als Favorit galt jedoch in Unternehmenskreisen der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung Tilman Todenhöfer.

Wie ebenfalls am Donnerstag bekannt wurde, wird sich der unterlegene Todenhöfer aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Der heute 59-Jährige Personalchef verabschiedet sich Ende 2003 in den Aufsichtsrat. Bereits ein halbes Jahr früher, zum 1. Juli 2003, wird Scholl aus der Geschäftsführung ausscheiden und als neuer Vorsitzender an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln.

Scholl wirkt nicht nur als AR-Chef weiter

Scholl sichert sich auch mit einem zweiten Posten bleibenden Einfluss auf die Geschicke des Konzerns. Der eher unscheinbar wirkende, aber unverändert machtbewusste Bosch-Obere, der 1993 das Konzernruder von dem ehemaligen Allianz-Manager Marcus Bierich übernommen hatte, leitet weiterhin die einflussreiche Industrietreuhand KG.

Das Patronat: Die Robert Bosch Industrietreuhand KG
In dieser Gesellschaft, in der neben Mitgliedern der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats auch ein Enkel des Firmengründers Robert Bosch vertreten ist, werden alle wegweisenden Entscheidungen für den Konzern getroffen. Das Kontrollgremium, das allein auf seinen Vorsitzenden hört, besitzt weit mehr Macht als der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft.

Die Mitglieder, darunter Honoratioren wie der ehemalige DIHT-Präsident Hans Peter Stihl und UBS-Generaldirektor Urs Rinderknecht, sind noch von Bosch-Legende Hans L. Merkle handverlesen. Der einst ehrfürchtig "Gottvater" genannte Firmenpatriarch, 2000 verstorben, hatte den Autozulieferer 35 Jahre lang dominiert.

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