Kamps Ende einer Bäckerkarriere

Die Brüder Barilla haben sich durchgesetzt. Firmengründer Heiner Kamps legt gut ein halbes Jahr nach der Übernahme durch die Italiener den Vorstandsvorsitz nieder und verlässt den Backkonzern. Sein Nachfolger ist ein Ex-Top-Manager von VW.

Düsseldorf - Die Tage als Vorstandschef von Europas größtem Back-Konzern Kamps  sind für Heiner Kamps gezählt. Leitender Angestellter beim weltgrößten Nudelhersteller Barilla, der das Back-Imperium im Frühjahr übernommen hatte, will Kamps nicht sein - der Unternehmer zieht sich von seinem Posten als Vorstandschef des Brot- und Backwarenherstellers zum Jahresende zurück.

Er werde den Konzern nur noch bei strategischen Fragen wie etwa Akquisitionen beraten, sagte Kamps am Montag in Düsseldorf. Doch die stehen nach Angaben von Barilla-Chef Guido Barilla, zunächst nicht im Mittelpunkt. Der Firmenslogan heiße derzeit "internes Wachstum" und Konzentration auf das Kerngeschäft.

Ab Januar 2003 wird Michael Kern, derzeit Vorstandschef des zum VW-Konzern gehörenden Autovermieters Europcar, die Nachfolge Kamps' antreten.

In atemberaubendem Tempo hatte der Düsseldorfer Bäckermeister Heiner Kamps aus einer Hand voll Backstuben Europas größtes Bäckerei-Imperium geformt und sich als Börsenliebling profiliert. Nach der Übernahme seines Imperiums durch Barilla hatte der alerte Unternehmer und gelernte Bäckermeister Kamps eine neue Erfahrung machen müssen: Er war nicht mehr der Chef.

Ganz oder gar nicht

Ein Analyst, der den Selfmade-Konzernchef gut kennt, sagte bereits nach der Übernahme von Kamps durch Barilla, er könne sich Heiner Kamps als Angestellten kaum vorstellen. "Das ist ein Vollblutunternehmer, und der soll nun aus der Barilla-Zentrale in Parma Weisungen entgegennehmen?"

Heiner Kamps selbst schien damit zunächst keine Probleme zu haben. Mit Blick auf seinen neuen Chef sagte er noch im April: "Barilla ist der Philosoph, ich habe die Backstube gefegt. Dass passt ganz gut zusammen." Eine seiner Zukunftsaufgaben umschrieb er mit dem Satz: "Vielleicht erfinden wir dann das Spaghetti-Brötchen". Bei diesem und anderen Kamps betreffenden Projekten wird er nun nur noch eine beraten Rolle übernehmen.

Heiner Kamps erfuhr nun wie zuvor seine einverleibten Konkurrenten am eigenen Leib, was es heißt, Gegenstand einer Expansionsstrategie zu sein. Kamps, das war zwei Jahrzehnte lang ein Synonym für Expansion. Vor 20 Jahren eröffnete er seine ersten drei Filialen in Düsseldorf. Mittlerweile sind es allein in Deutschland und den Niederlanden rund 2000 Handwerksbäckereien, die zu seinem Imperium gehören.

"Ich gehe erhobenen Hauptes"

Außerdem beliefern Großbäckereien des Unternehmens täglich rund 23.000 Supermärkte in Deutschland mit zumeist verpackten Backwaren. Neben Deutschland und den Niederlanden ist Kamps auch in Frankreich sowie in einigen südeuropäischen Ländern aktiv.

Für seine Vision eines europäischen Backwaren-Konzerns gab der passionierte Harley-Fahrer und einstige Bundesliga-Wasserballer sogar seinen Traum vom Sportstudium auf. In den ersten Jahren war der Vorwärtsdrang von Kamps praktisch nicht zu stoppen. Er erzielte Renditen von über fünf Prozent und kaufte unentwegt zu. Beim Börsengang 1999 setzte Kamps 325 Millionen Euro um, zwei Jahre später waren es über drei Milliarden Mark.

Bis Februar 2000 war der Kurs auf völlig unerwartete Höhen gestiegen. Seit der Börseneinführung hatte sich der Preis auf 44 Euro gut verzehnfacht. Der Name Kamps hatte in der Finanzwelt einen ebenso guten Klang wie der der "dot.coms."

"Ich gehe erhobenen Hauptes"

Im Frühjahr 2001 jedoch war die Kamps-Erfolgsstory zu Ende. Der Gewinn brach ein und Heiner Kamps musste umfangreiche Restrukturierungen ankündigen. Von diesem Zeitpunkt an hatte es Kamps bei Banken und Analysten schwer. Die Vision vom europäischen Backkonzern wurde immer seltener verstanden und vor allem der hohe Schuldenstand von zuletzt knapp 783 Millionen Euro stimmte die Finanzwelt immer skeptischer.

"Ich gehe erhobenen Hauptes", hatte Heiner Kamps zum Abschied zu seinen Aktionären gesagt. Ein Unternehmertyp wie er sei am Kapitalmarkt nicht mehr gefragt. "Selbst meine eigene Bank hat mir geraten, vorerst die Hälfte meines Aktienpaktes zu verkaufen." Inzwischen hat Kamps seine Aktien vollständig verkauft. Der italienische Nudel-Konzern Barilla hält nach eigenen Angaben knapp 97 Prozent der Konzern-Anteile.

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