GlaxoSmithKline Gehalt verdoppelt, Aktienkurs halbiert

Jean-Pierre Garnier, CEO des Pharmariesen, hat sich eine saftige Gehaltserhöhung genehmigt. Während wütende Anteilseigner die Erhöhungspläne als "äußerst unwillkommen" bezeichnen, muss Garnier eine schwere Schlappe eingestehen: Neue Medikamente sind nicht in Sicht.

London - Dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline steht ein Streit über eine geplante Erhöhung der jährlichen Bezüge von Vorstandschef Jean-Pierre Garnier auf umgerechnet elf Millionen Euro ins Haus. Der 54-Jährige erhielt im Vorjahr 3,5 Millionen Pfund (5,5 Millionen Euro).

Nun soll er den Plänen zufolge das Doppelte bekommen, berichtete der "Observer". Ein Unternehmenssprecher begründete die Überlegungen im "Independent" damit, dass Garnier ein niedrigeres Grundgehalt erhalte, als viele seiner Kollegen im internationalen Vergleich.

Den Zeitungen zufolge erhält Garnier zudem eine Bonuszahlung in Höhe eines Jahresgehaltes, für den Fall, dass er bis zum 15. Februar 2005 bei der Firma bleibe.

Wütende Anteilseigner

Das Blatt zitierte "wütende" Anteilseigner, die die Erhöhungspläne als "äußerst unwillkommen" bezeichneten und auf die derzeitigen Aktienkurse verwiesen, der auf einem Sieben-Jahres-Tief liegen. Anleger, die die Glaxo-Aktie  zu Höchstkursen gekauft hatten, mussten zwischenzeitlich Verluste von knapp 50 Prozent hinnehmen.

Glaxo hält nach eigenen Angaben etwa sieben Prozent am Weltmarkt für pharmazeutische Produkte. 2001 lag der Umsatz des Konzerns bei 20,5 Milliarden Pfund (32,4 Milliarden Euro) bei einem Vorsteuerergebnis von 6,2 Milliarden Pfund.

"Wir sind in sehr guter Verfassung"

Für den größten Schub bei Umsatz und Ergebnis sorgte das Asthma-Präparat "Advair", das Glaxo seit April 2001 in den Vereinigten Staaten verkauft und das bislang auf der Welt 850 Millionen Pfund erlöst hat. "Wir sind in sehr guter Verfassung und rechnen daher im laufenden und kommenden Jahr mit jeweils zweistelligem Gewinnzuwachs", sagte Konzernchef Jean-Pierre Garnier anlässlich der Präsentation der Jahreszahlen im März.

Wachstumsschübe verspricht sich Garnier zum einen von den 113 Präparaten, die gegenwärtig in der konzerneigenen Forschungsabteilung entwickelt werden, zum anderen durch die Kooperation mit Konkurrenten. Kurz vor dem Marktstart stehen fünf Produkte, sagte Garnier damals.

Eklatanter Mangel an neuen Medikamenten

Heute gesteht Garnier dagegen ein, dass der Pharmakonzern einen eklatanten Mangel an neuen Medikamenten hat. Zwar befinden sich viele Wirkstoffe in der Probephase, aber bevor er einen Forschungs- und Entwicklungs-Tag für Analysten veranstalte, wolle er mehr Beweise für die Marktfähigkeit der Präparate haben, sagte Garnier. Denn dabei bestehe die Gefahr, nach ein oder zwei Jahren herauszufinden, dass sich die in Aussicht gestellten Hoffnungen einzelner Produkte nicht erfüllten.

Ein Indiz für das Stocken des Pharmageschäfts ist auch der Wechsel an der Spitze der Pharmasparte. Der bisherige COO und Präsident Robert Ingram wird zum Jahresende seine Posten aufgeben, Nachfolger werde David Stout. Stout soll dann für das gesamte Pharmageschäft im Konzern verantwortlich sein und direkt an Glaxo-Chef Jean-Pierre Garnier berichten.

Außerdem beabsichtigt GlaxoSmithKline nach Medienberichten, die Mehrheit an der Pharmasparte von Bayer zu übernehmen - inklusive sämtlicher Präparate, die Bayer in der Pipeline hat.

GlaxoSmithKline: Der COO wird ausgetauscht Bayer: Glaxo will Pharmasparte für acht Milliarden Euro

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