Management Hilfe, die Jobkiller kommen

Eigentlich sollen Personalentwickler vor allem den Bedarf an Mitarbeitern und die Effizienz von Arbeitsprozessen optimieren. Immer häufiger aber organisieren sie vor allem die Abwicklung von Stellen. Deswegen geht die Angst in den Unternehmen um, wenn es heißt: der Personalabwickler kommt.

Bonn/Augsburg - Mancher Angestellte fürchtet um seinen Job, wenn Personalmanager in der Abteilung auftauchen. Mitarbeiter zu entlassen, ist aber keinesfalls das vornehmliche Ziel der Experten bei der Unternehmensberatung.

Personalmanager spüren Probleme in Abteilungen auf und helfen der Belegschaft dabei, sie zu beheben. "Wir führen Gespräche mit den Mitarbeitern und versuchen herauszufinden, wo vor Ort etwas besser gemacht werden kann", sagt Stephan Teuber vom Fachverband Personalmanagement im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) in Bonn.

Die Ergebnisse werden dann zusammen mit dem Vorstand des Unternehmens ausgewertet und diskutiert. Anschließend werde das Ergebnis den Mitarbeitern vorgestellt. "Nur wenn alle Seiten verstehen, wo ein Unternehmen hin will, können die Mitarbeiter die Planung ja auch umsetzen", betont Teuber, der selbst als Berater bei einem Unternehmen in Tübingen tätig ist.

"Brauchen wir mehr Teilzeitkräfte?"

Immer öfter griffen Unternehmen auf externe Berater zurück, so die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. Ein Grund dafür sei, dass Firmen und ihre Abteilungen heute immer effizienter arbeiten müssen, sagt Rainer Schmidt-Rudloff, Referent für betriebliche Personalpolitik bei der Bundesvereinigung.

Die Statistiken des BDU bestätigen diesen Trend: Rund 40 Unternehmen seien im Fachverband Personalmanagement organisiert, und die Tendenz ist steigend. Den Gesamtumsatz der Branche für 2002 schätzt der Verband auf 500 Millionen Euro.

Ein mögliches Einsatzgebiet von Personalmanagern ist die Prüfung von Arbeitszeitmodellen: "Brauchen wir mehr Teilzeitkräfte? Sollen wir andere Pausenzeiten festlegen oder Gleitzeit einrichten? Können wir das Schichtsystem optimieren?" Das seien Fragen, mit denen sich die Berater beschäftigen, sagt Professor Oswald Neuberger von der Universität Augsburg. Mit modernen Strukturen ließen sich die Aufgaben im Unternehmen oft einfacher und schneller bewältigen, so der Wissenschaftler, der den Lehrstuhl für Personalwesen an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät leitet.

Sabbaticals und organisierte "Auszeiten"

Beraten ließen sich Unternehmen auch bei Umstrukturierungen von Betriebsteilen - etwa wenn zwei Abteilungen zusammengelegt werden. Fusionen von ganzen Unternehmen, die Einführung neuer Software oder neuer Entlohnungssysteme würden ebenfalls von Personalmanagern begleitet, sagt Teuber. "Oft sind wir auch Vermittler zwischen zwei Abteilungen, die nicht optimal zusammenarbeiten." Die Experten versuchten dann, Fehler in der Abstimmung zu beheben und Konflikte zu vermeiden.

Personalmanager beraten Firmen auch bei der Suche nach flexiblen Arbeitszeitmodellen, sagt Schmidt-Rudloff. Mit so genannten Sabbaticals, organisierten "Auszeiten" von der Arbeit, oder Telearbeit ließen sich Kosten sparen und Mitarbeiter motivieren. Auch für die Rekrutierung von Fachkräften, die Weiterbildung und das Coaching von Führungskräften wenden sich Unternehmen an Personalmanager. Mit Stellenstreichung hat das nach Schmidt-Rudloffs Worten entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht automatisch zu tun.

Auch Teuber sieht seine Aufgabe nicht darin, die Zahl der Mitarbeiter zu vermindern: "Es geht um Umstrukturierung." In der Regel arbeite ein Unternehmensteil nach der Analyse besser. "Gerade dadurch kann ein drohender Stellenabbau vermieden werden." Bisweilen ergebe die Analyse sogar, dass ein neuer Arbeitsplatz eingerichtet werden sollte. In jedem Fall profitierten auch die Angestellten von einer Beratung.

Anfeindungen aus der Belegschaft

"Mitarbeiter können Einfluss nehmen, indem sie ihre Vorschläge einbringen", erläutert Teuber. So werde die Kommunikation zwischen Unternehmensführung und Belegschaft verbessert. Dennoch sieht sich der Berater häufig Anfeindungen aus der Belegschaft ausgesetzt: "Manchmal werden Termine einfach abgesagt. Oft streuen Mitarbeiter auch Gerüchte über den Berater."

Bevor die Arbeit der Personalmanager beginnt, müsse im Unternehmen deshalb Verständnis geschaffen werden, sagt Schmidt-Rudloff. Das sei die Aufgabe von Unternehmensführung und Abteilungsleitung. Die Mitarbeiter sollten frühzeitig in die Vorbereitungen eingebunden werden und Vorschläge machen. Rechtzeitige Information und ein offener Umgang seien dafür wichtig. "Der Berater darf nicht am Montag um 9.00 Uhr plötzlich vor der Tür stehen und sagen, dass er die Abteilung eine Woche lang beobachten wird", so Schmidt-Rudloff.

Dennoch sei das Image der Personalmanager als "Jobkiller" manchmal nicht ganz unbegründet. Schuld daran seien oft die Firmenleitungen, sagt Wissenschaftler Neuberger. Theoretisch sei eine Beratung dafür da, Probleme zu erkennen und zu lösen. In der Praxis würden Personalentwickler aber meist erst geholt, wenn möglichst schnell Kosten eingespart werden müssen - und das lasse sich eben am schnellsten durch Personalabbau erreichen.

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