Lothar Späth "Niederlagen werfen mich nicht um"

"Ruhestand? Dazu fällt mir nichts ein." Superminister ist Lothar Späth nicht geworden. Dafür ist er nach wie vor Chef von Jenoptik - und seit Samstag 65 Jahre alt.

Jena/Stuttgart - Für Lothar Späth, Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, CDU-Wahlkämpfer, Aufbauhelfer Ost und Vorstandschef der Jenoptik AG, ist der 16. November ein Termin im Kalender wie viele andere auch.

Zu seinem 65. Geburtstag sei eine kleine Kunstsoiree mit Freunden im heimischen Schwabenland geplant. "Ganz privat, kein Staatsempfang." Danach frönt der Politmanager mit den vielen Ämtern wieder seiner Leidenschaft: "Ich bin wie immer unterwegs."

Als Pensionär sieht sich Späth, der in diesem Jahr an der Seite von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber ein politisches Comeback als Wirtschaftsminister versuchte, noch lange nicht. "Ich melde mich geordnet zurück", hatte der vor elf Jahren ins Unternehmerlager gewechselte Späth im Bundestagswahlkampf verkündet. Dass daraus nichts wurde, nimmt der umtriebige Schwabe, der es quasi aus dem Stand in Umfragen unter die zehn wichtigsten deutschen Politiker schaffte, sportlich. "Niederlagen werfen mich nicht um."

"Durch Nacht zum Licht"

Der Ausflug in die aktive Politik ist für den Mann mit dem Spitznamen "Cleverle" abgehakt: "Ich habe mich aus der Parteihaftung verabschiedet und wieder meinen Beobachterposten eingenommen", witzelt er. Das ist vorerst sein Schreibtisch in der 13. Etage der Jenoptik-Konzernzentrale mit der Inschrift am Portal "Durch Nacht zum Licht". Der vor Jahrzehnten angebrachte Spruch passt zur Biografie des heutigen Chefs.

Schließlich gehört Späth zu einer eher seltenen Politiker-Spezis. Als Sohn eines Lagerverwalters in Sigmaringen, nur mit einer Verwaltungsausbildung ohne Abitur schaffte er es als 40-Jähriger 1978 auf den Sessel des Ministerpräsidenten. Gut zwölf Jahre später dann der unfreiwillige Rücktritt wegen der "Traumschiffaffäre" und Kritik an seiner Nähe zu einigen Konzernbossen. Im Frühjahr 1991, wenige Wochen nach seinem Abgang in Stuttgart, tauchte er in Thüringen auf. Späth wagte einen Neustart auf unsicherem Terrain.

"Aus einem Trümmerhaufen ein erfolgreiches Unternehmen"

Im Osten beim einstigen DDR-Vorzeigekombinat Carl Zeiss Jena, das nach der Wende als Abwicklungsfall galt, wollte er sich und seinen Kritikern zeigen, dass er es schafft, "aus einem Trümmerhaufen ein erfolgreiches Unternehmen zu machen".

Es war ein "brutaler Job". Die Zerlegung des Industriekonglomerats war mit 16.000 Entlassungen und dem Abriss von einem Dutzend Fabriken verbunden. "Das einschneidendste Erlebnis, das ich hatte."

Nach Jahren mit Hängepartien und Flops, die bei der Wirtschaftswunderstimmung, die Späth mit immer neuen Projekten verbreitete, kaum auffielen, kam nach Firmenübernahmen im Westen Land in Sicht. 1998 war das Hauptziel geschafft. Der Elektronik- und Optikkonzern Jenoptik kam in die Börsenliga der 100 wichtigsten deutschen Unternehmen. Späth galt von da an als Konzernschmied und eine Art Galionsfigur des Aufschwungs Ost.

Auf Vorwürfe, dass er bei der Rettungsaktion mit öffentlichen Hilfen von rund 1,5 Milliarden Euro Sonderkonditionen hatte, reagiert Späth noch heute allergisch. Schließlich habe er beim Börsengang als einziger auch Subventionen zurückgezahlt. Trotzdem hält sich das Image des "Staatskapitalisten."

Kein "Grüß-August"

Vielen Arbeitnehmervertretern, bei denen der Schwabe trotz einiger Tarif-Alleingänge einen guten Stand hat, ist das egal. "Wichtig ist, dass Jenoptik einer der wenigen gut gehenden Konzerne mit Zentrale im Osten ist", meint ein Betriebsrat. Aber auch in Jena gab es keine Wunder. Von den derzeit mehr als 7000 Beschäftigten arbeitet nur gut jeder siebte in der Stadt.

Inzwischen ist Späth nach eigenem Bekunden bei "Jenoptik voll wieder drin." Aber nur auf Zeit. Im April hatte er angekündigt, dass er im Juni 2003 vom Vorstandsvorsitz an die Spitze des Aufsichtsrats wechselt. Nicht als "Grüß-August", wie er sagt, "sondern als aktiver Aufsichtsratsvorsitzender". Dabei soll es bleiben. Ansonsten will er das machen, was ihm Spaß macht. "Und das ist leider viel."

Simone Rothe, dpa

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