Gründer-Kolumne Come Together

Eine der größten Hürden für Start-ups liegt darin, Geldgeber zu finden. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist dies besonders schwierig – doch nicht unmöglich. Fast alles hängt davon ab, wie sich das Gründerteam zusammensetzt.

Einmal ehrlich: Welche Eigenschaften muss ein Gründer heutzutage haben? Kreativität? Analytisch-konzeptionelles Denken? Das ist gut, aber auf keinen Fall ist es ausreichend. Echte Erfahrungen im operativen Management sind heutzutage das, was Investoren, Geschäftskunden und Lieferanten beeindruckt.

Leider ist die Kombination von operativem Wissen, Kreativität, visionärem Denken und Risikofreude nur selten bei einem einzelnen Gründer vorhanden.

Wie führt man aber ein hoffnungsfrohes Start-up dennoch zum Erfolg? Die Antwort liegt nahe: Es ist ein Gründerteam, das alles möglich macht – ganz unter dem Motto: Together everyone achieves more.

Gründer dürfen sich nicht scheuen, frühzeitig erfahrene Manager ins Unternehmen einzubinden – typischerweise als Chief Operating Officer (COO), Chief Financial Officer (CFO) oder vielleicht sogar als Chief Executive Officer (CEO). Am besten schon als Mitgründer.

Kompetenz ist alles

Selbst wenn der Verlust von Einfluss auf die eigene Unternehmensidee schmerzt – letztlich zählt nicht die familiär-freundliche Atmosphäre, sondern die Kompetenz in allen Unternehmensfeldern.

Die Kompetenz spielt immer und auf allen Stufen der Unternehmensentwicklung eine zentrale Rolle. Die Bewältigung anstehender Aufgaben wird hierdurch um einiges erleichtert.

Es sind demnach die Menschen, die ein Start-up nach vorne bringen, und das wissen auch die Investoren. Und so lautet ein oft angeführtes Zitat von Eugene Kleiner, Venture Capitalist von Microsoft, in diesem Zusammenhang: "Invest in people, not in ideas."

Der Team-Vorteil

Der Team-Vorteil

In Zusammenarbeit lässt sich die Vision des eigenen Unternehmens besser entwerfen. Es ist einfacher, im Team die notwendigen Ressourcen aufzubringen und einzuwerben. Das Mission Statement lässt sich zusammen schneller realisieren, und letztlich rückt der Erfolg in einer gut eingespielten Gruppe viel eher in greifbare Nähe.

Die Vorteile liegen also auf der Hand: Gegenseitige Unterstützung, ein gemeinsames größeres professionelles Netzwerk, die Teilung des finanziellen Risikos und die akkumulierte Erfahrung sprechen ganz klar für die Gründung im Team. Das sagt uns nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch die Forschung. In diversen Studien wurde seit den späten 70er Jahren belegt, dass Team-Gründungen auf Dauer erfolgreicher am Markt agieren.

Und selbst wenn der Team-Gedanke aufgrund des Versagens zahlreicher "Boy-Groups" in den letzten Jahren auf den ersten Blick nicht mehr als der Königsweg erscheint: Schon ein Großindustrieller des 19. Jahrhunderts wie der amerikanische Stahlbaron Andrew Carnegie trat seine Vorhaben nicht alleine an, sondern tat sich beispielsweise mit David McCandless zusammen, um seine Stahlschienenwerke zu gründen.

Die Ziele teilen

Natürlich liegen aber auch Gefahren darin, ein Unternehmen nicht wie ein Patriarch zu führen: Unterschiedliche Ziele der Gründer können schnell zu schlechter Zusammenarbeit und Abstimmungsproblemen führen. Ein Vorwärtskommen kann verhindert werden. Es ist also wichtig, dass man miteinander auskommt und dieselben Ziele teilt.

Am Anfang oder kurz vor der Gründung sollten deshalb folgende Fragen geklärt werden:

  • Wen brauchen Sie im Team?
  • Wann genau brauchen Sie ihn im Team?
  • Wie finden Sie ihn für Ihr Team?
Die Erkenntnis fehlender Kompetenzen geht meist schnell vonstatten, schwieriger wird es, die Kompetenzlücke im Team zu schließen.

Worauf Investoren achten

Worauf Investoren achten

Bei der Suche nach einem Mitgründer hat es sich bewährt, das eigene Netzwerk in immer größer werdenden Kreisen auf potenzielle Mitgründer hin abzutasten. Am besten gelingt das, wenn man sich folgende Fragen stellt:

  • Wen kennen Sie bereits, der zu Ihrem Team passen könnte?
  • Wen kennen Sie, der jemanden kennen könnte, der zu Ihrem Team passt?
  • Wen kennen Sie, der jemanden finden könnte, der zu Ihrem Team passt?
Die Zusammenstellung eines Gründerteams kann und muss auch vor dem Hintergrund stattfinden, vor dem die Investoren eine Begutachtung durchführen. Was sind die wichtigsten Merkmale bei der Bewertung von Gründerteams durch Venture-Capital-Geber? Eine aktuelle Studie von Gruber/Henkel/Hoisl am Odeon Center for Entrepreneurship in München ist dieser Frage nachgegangen.

Die Mischung macht's

Im Ergebnis kam heraus, dass insbesondere die Gründerteams zu einer Präsentation eingeladen werden, die über die Darstellungen im Businessplan ihre Branchenerfahrung nachweisen konnten. Damit steht die operative Kompetenz im Themenfeld der anstehenden Gründung im Mittelpunkt der Begutachtung. Direkt nach diesem operativen Aspekt folgte aber bereits das vorhandene Basiswissen in Form der Ausbildungsrichtung und dem Ausbildungsrang (Studium). Die Mischung ist also entscheidend.

Manchmal mag es schwer fallen, den Gedanken zu akzeptieren, dass andere ebenfalls Einfluss auf die eigene Unternehmensidee ausüben sollen. Wenn das so ist, finden Sie so schnell wie möglich heraus, was Sie wirklich wollen: Als Einzelkämpfer die Welt erobern oder im Team den Risiken gemeinsam entgegenzutreten.

Dabei ist es keine Schande, die Führung des Unternehmens an einen erfahrenen CEO abzugeben. Der Unternehmenserfolg wird Ihnen dann hoffentlich recht geben und über den Wertzuwachs Ihrer Anteile eine Belohnung hinsichtlich dieser Flexibilität erfolgen.

Gründermarkt: Kapital und Kontakte für Start-ups


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