Hewlett-Packard Zwei sind einer zuviel

In ihrer härtesten Schlacht besiegte Carly Fiorina die Familie Hewlett. Die Fusion mit Compaq kam zustande. Jetzt hat die HP-Chefin den hausinternen Machtkampf gewonnen - sie entledigte sich ihres mächtigsten Freundes.

Palo Alto - Der Präsident des Computerherstellers Hewlett-Packard, Michael D. Capellas, verlässt das Unternehmen. Capellas wolle sich anderen Aufgaben widmen, teilte HP in Palo Alto mit.

Capellas hatte Compaq für 19 Milliarden Dollar an Hewlett-Packard verkauft. Er war vor der Übernahme durch HP Chef bei Compaq Computer und zuletzt bei HP für das Tagesgeschäft zuständig. "Wir haben einen natürlichen Übergangspunkt erreicht", sagte Unternehmenschefin Carly Fiorina. Hewlett-Packard wird weiter von Carly Fiorina geführt - und zwar allein.

Michael Capellas habe die Fusion von Hewlett-Packard mit dem Konkurrenten Compaq vollenden wollen, sagte sie in einem Zeitungsartikel. Außerdem lobte Fiorina ihn für seine Leistungen bei der Fusion und der Integration von HP und Compaq. Nach Darstellung der HP-Chefin wurden sämtliche Integrationsziele erreicht oder übertroffen. Capellas' alter Posten soll nicht wiederbesetzt werden.

Details zu Capellas Plänen teilte HP nicht mit. Das "Wall Street Journal" hatte zuvor in seiner Montagausgabe spekuliert, dass der 47-jährige Manager möglicherweise bald zum schwer angeschlagenen US-Telekommunikationsunternehmen WorldCom  wechseln könne. WorldCom hat aber auch mit anderen Spitzenmanagern verhandelt. Eine Entscheidung dürfte in den nächsten Tagen erfolgen.

Kurssturz

Die Aktionäre von Hewlett-Packard haben dagegen mit Bestürzung auf die Meldung reagiert, dass Capellas, seinen Hut nimmt und das Unternehmen verlässt. Der Kurs der HP-Aktien brach am Montag im späten New Yorker Börsenhandel um 11,15 Prozent auf 14,80 Dollar ein und war damit der schwächste Wert im Dow Jones Industrial Average (DJIA). Dieser verlor zeitgleich 2,05 Prozent auf 8.362,07 Zähler.

Die Enttäuschung unter den Anlegern sei groß, sagten Händler. Sie versuchten nun, Gewinne einzustreichen und ihre Aktien möglichst schnell zu verkaufen.

Kein Zeichen für ein schlechtes Konzerngeschäft

Nach Ansicht des Merrill Lynch Analysten Steven Milunovich strebt Capellas einen Posten als Vorstandsvorsitzender an. Der Analyst wertet das Ausscheiden Capellas als Verlust für HP. Dennoch sei der Abschied kein Zeichen für ein schlechtes Konzerngeschäft.

Andere Experten waren ebenfalls der Meinung, dass der Abschied des Chefs keinerlei Befürchtungen für die anstehenden Quartalsergebnisse rechtfertige. Sie gehen davon aus, dass der Konzern die Prognosen erfüllen oder möglicherweise sogar übertreffen wird

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