Bertelsmann Grollender Abgang

Jürgen Richter quittiert seinen Dienst - offiziell aus persönlichen Gründen. Er wird seine Aufsichtsratsmandate bei Pixelpark, Lycos und Stürtz niederlegen.

Berlin – Jürgen Richter führte in einer knappen Pressemitteilung persönliche Gründe für den Abgang bei der Berliner Pixelpark , bei Lycos Europe NV (Haarlem) und Universitätsdruckerei H. Stürtz AG (Würzburg) an. Bei allen drei Bertelsmann-Töchtern hatte der 61-jährige Manager den Aufsichtsratsvorsitz inne.

Nach Richters Darstellung heißt es weiter, dass er die Mandate nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer der Fachverlagsgruppe BertelsmannSpringer Ende Juli fortgeführt und damit einer persönlichen Bitte des damaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff entsprochen habe. Die Ämter seien nur für eine kurze Übergangszeit vorgesehen gewesen.

Überzogene Forderungen

Sein Abgang als Aufsichtsratchef hat aber noch andere Gründe. Denn Richter verhandelte nach Informationen von manager-magazin.de noch bis vor kurzem mit Bertelsmann-Chef Gunter Thielen über einen Wiedereinzug in die Geschäftsführung von BertelsmannSpringer.

Die Gespräche seien allerdings an dem umfangreichen Forderungskatalog von Richter gescheitert, heißt es aus Insiderkreisen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlags hatte offensichtlich diverse Sonderrechte eingefordert. Doch nicht zuletzt wurde sein Alter als Argument gegen Richter ins Feld geführt. Es gilt die Maßgabe, dass Bertelsmann-Vorstände nicht älter als 60 Jahre alt sein sollten - mit Ausnahme von Thielen selbst.

Keinen Käufer gefunden

Richters bis dato erfolgreiches Wirken als Medienmanager hatte mit dem Amt als AR-Chef bei Pixelpark einen kleinen Kratzer bekommen. Richter war erst Anfang 2002 berufen und als Sanierer geholt worden. Der ehemalige Chef des Fachverlages BertelsmannSpringer sollte den Sanierungskurs des schwer angeschlagenen IT-Unternehmen begleiten und war zuletzt auf Käufersuche für den Bertelsmann-Anteil an Pixelpark in Höhe von rund 60 Prozent.

Offenbar gelang es nicht, Käufer zu finden. Richter schwebte dem Vernehmen nach ein IT-Berater als neuer Mehrheitseigner einer dann deutlich kleineren Pixelpark vor. Eine mögliche Insolvenz, aus der heraus Pixelpark neu starten könnte, soll Richter ausgeschlossen haben.

Verlust bei Pixelpark von 86 Millionen Euro

2001 hatte Pixelpark mit derzeit weniger als 500 Beschäftigten einen Verlust von 86 Millionen Euro ausgewiesen, bei einem Umsatz von 81,3 Millionen Euro. Nach vorläufigen Zahlen wird auch in diesem Jahr ein deutlicher Umsatzrückgang erwartet. Die erhoffte Profitabilität wird verfehlt. Nach misslungenen Zukäufen und Rückschlägen im Ausland konzentriert sich das Unternehmen wieder auf das Kerngeschäft.

Jürgen Richter gilt trotz seines weniger erfolgreichen Wirkens als AR-Chef bei Pixelpark als Troubleshooter und einer der erfolgreichsten Manager in der deutschen Medienbranche. Beispielsweise hatte er 1985 den vom Konkurs bedrohten Westermann Verlag für Dieter Schaubs Medien-Union saniert und war dort später erfolgreicher Geschäftsführer. 1994 wurde Richter in den Vorstand der Axel Springer Verlags AG berufen, nur zwei Monate später wurde er deren Vorsitzender.

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