Karriere Schöne neue Arbeitswelt

Wer heute an seine Karriere denkt, muss komplex planen. In Zukunft wird von Führungskräften nicht nur Kreativität, Flexibilität und Selbstverantwortung erwartet, sondern auch der Wille zur Weiterbildung - und das Bekenntnis zur Patchwork-Karriere.

Stuttgart - Die Arbeit der Zukunft wird nach Ansicht des Fraunhofer Instituts durch kreative und selbstbestimmte Mitarbeiter bestimmt.

"Der Einzelne wird in Zukunft deutlich selbstbestimmter und autonomer mit seiner Lebenskarriere umgehen müssen", sagte der Direktor des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Peter Kern. Der Wissenschaftler will seine Thesen bei einem am Donnerstag in Ludwigsburg stattfindenden Kongress "Arbeitswelt der Zukunft - Trends, Anforderungen und Chancen" vorstellen.

Schon bald könnten in Deutschland nach Auskunft des Institutsdirektors so genannte "Patchwork-Lebenskarrieren" zum Alltag gehören. Dies bedeutet: Ein Mensch, ein Leben - aber möglicherweise drei Berufe.

"Phasen des Tankens von Kompetenz und Wissen"

Grund hierfür sei die immer leistungsfähiger werdende Informations- und Kommunikationstechnologie, die immer stärker Gesellschaft und Wirtschaft durchdringt. "Um sich beruflich umorientieren zu können, wird der Einzelne immer wieder unterschiedliche Phasen durchlaufen müssen. Dies sind Phasen des Tankens von Kompetenz und Wissen", erklärte Kern.

Es werde künftig nicht mehr ausreichen, sich zu Beginn einer Karriere Wissen angeeignet zu haben: "In der Arbeit der Zukunft zählt nicht mehr das Vorratswissen, wie es noch bei unseren Großvätern der Fall war", erläuterte Kern. Es sei notwendig, das berufliche Wissen ständig zu ergänzen und zu erneuern.

"In Zukunft wird es für die Dummen weniger Arbeit geben."

Als "schauerliche Entwicklung" bezeichnete Kern die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführte Erhebung "Berichtsystem Weiterbildung" aus dem Jahre 2001: Danach machen rund zwei Drittel aller Erwerbstätigen keine berufliche Weiterbildung.

Dies sei in einer Welt der zunehmenden Globalisierung und Flexibilisierung, in der Information und Wissen immer wichtiger würden, fatal. Kerns Fazit daraus: "In Zukunft wird es für die Dummen weniger Arbeit geben."

In dieser neuen Arbeitswelt ändern sich nach den Vorstellungen der Vordenker auch die Anforderungen an die allgemeinen beruflichen Kompetenzen. An Bedeutung gewinnen ganzheitliches Planen und Denken, Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie die Bereitschaft, lernen zu wollen. "Nur wer bereit ist, sich ständig neuen Herausforderungen zu stellen und dazu zu lernen, ist in unserer vom internationalen Wettbewerb geprägten Welt, letztlich überlebensfähig", erklärte Kern.

"Das Einkommen orientiert an der Zielerreichung"

Auch die Arbeitsverhältnisse könnten sich ändern: Der Trend gehe zu geringeren fixen Einkommensanteilen. An die Stelle der wegfallenden Summe treten dann zum Teil deutlich höhere, variable Anteile. "Das Einkommen orientiert sich in der Zukunft weit stärker an der Zielerreichung", meinte Kern.

Von solchen Veränderungen seien aber auch die Arbeitgeber betroffen. Flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte sowie eine kompetentere Führung seien dann gefragt. "War bis dato die Welt der Büroarbeit weitgehend durch überwiegend starre Arbeitszeiten, fixe Orte und zentrale Unternehmensstrukturen bestimmt, so entstehen durch die Flexibilisierung dieser Parameter auch eine Vielzahl von neuen Arbeitsmöglichkeiten", erklärte Kern.

Dabei trete das "flexible Büro" in den Vordergrund. Sein wesentliches Merkmal sei die Aufhebung der direkten und festen Zuordnung von Arbeitsplätzen und Mitarbeitern. Die Vorstellung dieses "Sharing-Prinzips": Büros, Arbeitsplätze, Schreibtische oder Büroausstattung werden gemeinsam genutzt und stehen allen Büronutzern gleichermaßen tage- oder stundenweise zur Verfügung.

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