Dienstag, 12. November 2019

DAB Bank Kröner kapituliert

Die Mutter straft ihre Tochter ab. HVB-Lenker Albrecht Schmidt feuert den Chef der verlustbringenden Online-Abteilung, Matthias Kröner verlässt das Haus unfreiwillig. Ist jetzt der Weg frei für eine Fusion?

München - Nachdem Consors Börsen-Chart zeigen in die Arme von BNP Paribas Börsen-Chart zeigen flüchtete und Comdirect Börsen-Chart zeigen sich ein schmerzhaftes Sparprogramm verordnet hat, geht damit der Kehraus bei Deutschlands Online-Brokern weiter.

Gescheitert: DAB-Chef Matthias Kröner
Wie manager-magazin.de schon vor drei Wochen exklusiv meldete, ist bei der DAB Bank Börsen-Chart zeigen kein Platz mehr für Matthias Kröner, der eine andere Strategie verfolgt als der Chef des Mutterhauses HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen, Albrecht Schmid.

Jetzt teilte die DAB mit, Kröner habe bereits Ende Oktober das Haus verlassen. Bankenkreisen zufolge wirft ihm die Muttergesellschaft vor, er habe seine Ertragsziele bei dem Verlust schreibenden Onlinebroker nicht erreicht.

Kröner selbst sagte am Montag, er wolle sich nach fast zehn Jahren bei der Bank neuen Aufgaben widmen. Die wichtigsten Maßnahmen bei der DAB seien weitestgehend umgesetzt und würden erfolgreich sein, erklärte er. "Meiner Einschätzung nach haben wir die schwersten Zeiten schon hinter uns", sagte Kröner.

"Ganz normal und schlicht professionell"

Kröner betonte, er habe keine Differenzen mit dem Aufsichtsrat und seinem Vorsitzenden gehabt. Das Verhältnis zur HypoVereinsbank und deren Vorstandschef Albrecht Schmidt sei nicht schlecht gewesen, sondern "ganz normal und schlicht professionell".

Um die strategische Ausrichtung der Bank habe es Diskussionen gegeben, räumte Kröner aber ein. "Letzten Endes muss aber der Hauptaktionär eine Entscheidung treffen".

Womöglich wird nun der Weg frei für eine Fusion von DAB Bank und Comdirect. HypoVereinsbank und Commerzbank würden seit Wochen verhandeln, berichtete das "Handelsblatt". Durch eine Verschmelzung könnte einer der größten europäischen Broker mit über einer Million Kunden entstehen.

Die Zeitung schrieb, die Gespräche befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Der designierte Vorstandssprecher der HypoVereinsbank, Dieter Rampl, sowie Martin Blessing, Privatkundenvorstand der Commerzbank, nähmen an ihnen teil. Kröner war offenbar schon nicht mehr dabei.

Wird die DAB reintegriert?

Aus Bankenkreisen hieß es allerdings, neben einer Fusion stehe auch die Reintegration der DAB in die HypoVereinsbank weiter auf der Liste der Möglichkeiten. Denkbar sei weiterhin auch eine völlige Trennung von der DAB.

Alle unrentablen Töchter auf den Prüfstand: HVB-Chef Albrecht Schmidt
Der 36-jährige Kröner war bei der DAB ein Mann der ersten Stunde. Letztendlich fiel er dem neuen Sparkurs der HVB Group zum Opfer, die gut 70 Prozent der Aktien hält. HVB-Chef Schmidt soll schon Anfang August in einem internen Schreiben an seine Führungskräfte angekündigt haben, alle unrentablen Töchter auf den Prüfstand zu stellen und notfalls zu verkaufen oder zu schließen. Die DAB verbuchte im ersten Halbjahr 2002 ein Minus von gut 30 Millionen Euro.

Als Assistent der Geschäftsführung der damaligen Hypobank war Kröner bereits an der Entwicklung des Discount-Brokers beteiligt. Nach der Gründung der Direkt Anlage Bank im Mai 1994 leitete er dort zunächst das Privatkundengeschäft. Im September 1997 wurde er Geschäftsführer.

Seit der Umwandlung der DAB in eine Aktiengesellschaft im Oktober 1997 war er Vorstand, seit März 2001 Vorstandssprecher. Noch Anfang September hatte der stets optimistisch gestimmte Ex-Chef betont, sein Haus im kommenden Jahr aus eigener Kraft in die Gewinnzone führen zu können.

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