Jürgen Höller Sag' ja zum Gefängnis

Noch bis vor kurzem verzauberte Jürgen Höller Promis und deren Konten mit seinen Motivationsshows. Damit ist jetzt Schluss. Gegen den Großmotivator (Motto: "Sag' ja zum Erfolg") erging jetzt Haftbefehl wegen Untreue.

Schweinfurt/Würzburg - Er soll nach Angaben der Justiz in Würzburg vom Freitag mindestens 900.000 Euro zur persönlichen Bereicherung aus einer seiner inzwischen in Konkurs geratenen Firmen gezogen haben.

Höller war am Donnerstag in seinem Wohnhaus in Schwebheim (Landkreis Schweinfurt) festgenommen worden. Auf Grund der zu erwartenden Freiheitsstrafe und seiner internationalen Kontakte bestehe Fluchtgefahr, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft in Würzburg hatte gegen Höller bereits im Dezember vergangenen Jahres ein Ermittlungsverfahren wegen Insolvenzverschleppung eingeleitet. Erst vor wenigen Monaten musste er, der Tausenden seine Rezepte für wirtschaftlichen Erfolg predigte, für sein Aus- und Fortbildungsunternehmen Inline AG Insolvenz anmelden. Seine beiden Firmen wiesen Verbindlichkeiten von rund vier Millionen Euro auf.

Ermittlungsverfahren nach Firmen-Pleite

Ärgerlich für alle, die sich von ihm zu einem Kauf seiner Aktie motivieren liessen. Geködert hatte "Mr. Motivation" seine Anteilseigner unter anderem mit der Verheißung, die Inline AG werde im Jahr 2014 eine Milliarde Umsatz machen.

Nach dem Scheitern interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft für Höllers AG-Aktivitäten. Anfang des Jahres sagte Peter Schauff, Leitender Oberstaatsanwalt in Würzburg, gegenüber der TV-Sendung "Report": "Die Staatsanwaltschaft Würzburg führt ein Ermittlungsverfahren gegen Herrn Höller wegen des Verdachts der verspäteten Insolvenzantragsstellung. Es handelt sich hier um einen Straftatbestand, der im Aktiengesetz geregelt ist - mit einer Strafdrohung bis zu drei Jahren."

Millionen verpulvert

Außerdem, so Schauff, müsse man sich mit der Frage auseinandersetzen, ob Höller möglicherweise Untreue oder Betrug vorzuwerfen sei, denn "falls die Anleger über die Risiken ihrer Anlage getäuscht wurden, können auch diese Tatbestände erfüllt sein. Hier steht eine Strafdrohung von jeweils fünf Jahren im Raum."

Inzwischen habe sich der Verdacht erhärtet, dass Höller bereits im Frühjahr 2001 rund 750.000 Euro vom Konto seiner Vermögensverwaltungs-GmbH auf ein Privatkonto überwiesen hatte, berichtete der Leitende Oberstaatsanwalt Clemens Lückemann am Freitag.

Höller habe damit seinen erheblichen persönlichen Zahlungsschwierigkeiten begegnen wollen. Aus sichergestellten Dokumenten gehe hervor, dass Höllers monatliche Ausgaben seine Einnahmen um rund 10.000 Euro überstiegen hätten.

Höller soll ferner über ein Scheingeschäft mit einer Fremdfirma ohne gleichwertige Gegenleistung weitere mindestens 100.000 Euro aus seiner Firma für private Zwecke abgezweigt haben. Weitere Einzelheiten des Falls wollte die Justiz unter Hinweis auf die noch laufenden Ermittlungen am Freitag nicht bekannt geben.

Jürgen Höller: Die Rückkehr des Großmotivators Bodo Schäfer: Ausgebrannt  Jürgen Höller: Motivationsprobleme?

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