Europcar Der Chauffeur geht

Die weltweit expandierende Autovermietung hat überraschend ihren Chef verloren. Der Automanager Michael Kern führte die VW-Tochter mit ruppigen Methoden zu alter Stärke zurück. Jetzt verlässt er das Unternehmen mit unbekanntem Ziel.
Von Karsten Schmidt

Paris - Der Vorstandsvorsitzende der Europcar International SA mit Sitz in Paris, Michael Kern, verlässt zum 1. Januar 2003 das Unternehmen. Kern werde eine CEO-Funktion außerhalb der Mietwagen- und Autohersteller-Industrie annehmen, ließ Europcar verlautbaren.

Erst Ende 1996 war Kern zum Chef der Europcar Autovermietung GmbH ernannt worden. Er wechselte damals aus der Führungsetage von VW  zum angeschlagenen Autovermieter. Bei den Wolfsburger leitete er den Bereich Dienstleistungsprojekte. Berüchtigt war Kern für seine rigiden Sparmaßnahmen und die Kämpfe, die er sich mit seinem Erzfeind, der Autovermietung Sixt, lieferte.

Sieg über Erich Sixt

"Lieber Erich Sixt, sagen Sie doch einfach Bescheid, wenn es Ihnen schlecht geht", lästerte Michael Kern zum Beispiel in einer Anzeige, die vor einem Jahr in der "Süddeutschen Zeitung" erschien. Erst kürzlich hat Kern sein Ziel erreicht: Nach eigenen Angaben überholte die VW-Tochter Sixt im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmalig - zumindest in Bezug auf den Umsatz.

Trotzdem kommt der Abgang Kerns überraschend. Erst Mitte Oktober hatte er anlässlich der Veröffentlichung der Jahreszahlen die weitere Strategie es Autovermieters präsentiert. Damals sagte Kern: "Wir wollen unser Franchisenetz verstärken". Außerdem, so Kern weiter, wolle man bis Ende 2003 die europäische Marktführerschaft erreichen.

Ehrgeizige Ziele

Für das Jahr 2003 prognostizierte der Europachef erneut ein zweistelliges Ergebnisplus. Diese ehrgeizigen Ziele muss Europcar nun ohne Kern erreichen. Für eine Stellungnahme war der persönliche Referent Kerns, Christoph Wolf, nicht zu erreichen.

Zum Nachfolger sei der Geschäftsführer der Europcar Italien, Salvatore Catania, bestellt worden, teilte der Autovermieter in dürren Worten in Paris mit. Europcar ist eine hundertprozentige Tochter der Volkswagen AG, Wolfsburg.