Porträt Der Krönungsgehilfe

Klaus Jacobs hat sein Geld schon mit Kaffee, Schokolade und Arbeitsvermittlung verdient. Jetzt steigt seine Holding in die Fußball-Vermarktung ein.
Von Arne Stuhr

Zürich - Als vor einigen Wochen die Meldung über die Ticker ging, dass Ex-Fußballstar Günter Netzer aus der Insolvenzmasse des Kirch-Imperiums die Kirch Sport AG übernehmen wird, wurde Netzer als der neue König des TV-Fußballs gefeiert. Wie jeder Herrscher braucht aber auch der ehemalige Nationalspieler einen Finanzier. Bei Netzer heißt der Krönungsgehilfe Klaus Jacobs.

Genauer gesagt die KJ Jacobs Holding, die Klaus Jacobs 1990 in Zürich gegründet hat, nachdem er seinen Kaffee- und Schokoladenkonzern Jacobs Suchard (Milka, Toblerone) für 3,1 Milliarden Schweizer Franken an den amerikanischen Konsumriesen Philip Morris verkaufen musste, um mit 700 Millionen Schweizer Franken seine Geschwister auszubezahlen.

Jacobs, der den Kontakt zu den Medien nicht unbedingt sucht und auf einem riesigen Landgut zwischen London und Cambridge Pferde züchtet, zeigt sich aber wenig verbittert darüber, dass der 1895 gegründete Familienkonzern jetzt unter Kraft Foods firmiert. "Ich kann gut Abschied nehmen", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") den 65-Jährigen. In der Schweiz war die Empörung dagegen groß. Viele haben Jacobs, mittlerweile Schweizer Staatsbürger, den Verkauf der süßen "Nationalheiligtümer" an die Amerikaner nie verziehen.

Die Geschäfte hat der passionierte Dressurreiter und Kunstmäzen mittlerweile an seinen Sohn Christian weitergegeben. Die Aktivitäten der KJ Jacobs Holding reichen von der Produktion von Surfbrettern und Snowboards (Mistral, F2, Fanatic), über ein 20-Prozent-Paket am weltgrößten Personaldienstleister Adecco (von Jacobs 1996 aus den unrentablen Unternehmen Adia und Ecco geschmiedet) bis hin zum Kakaobohnenverarbeiter Barry Callebaut. Jacobs ist mit 70 Prozent am Weltmarktführer für Industrieschokolode beteiligt.

Ein Deal unter Schokoladenverrückten

Über die Barry-Callebaut-Tochter Van Houten gelang Jacobs im Frühjahr dieses Jahres der Wiedereinstieg in den deutschen Schokoladenmarkt. Mit der Übernahme von Stollwerck (Sarotti, Sprengel) beliefert Jacobs nun auch wieder den Endverbraucher. "Ich freue mich über einen Partner, der genau so schokoladenverrrückt ist wie ich", kommentierte Stollwerck-Legende Hans Imhoff laut "Welt" den Deal.

"Ich habe ja immer etwas Neues vor", hatte Klaus Jacobs im Sommer im Gespräch mit der "FAS" einen weiteren Clou schon angedeutet. Er selbst wird sich aber kaum um die Fußballrechte kümmern. Der (Un)ruheständler, Präsident der Pfadfinder und Freund von Volkswagen-Vorstand und Arbeitsmarktreformer Peter Hartz, versucht, mit seiner Stiftung etwas gegen die Jugendarbeitslosigkeit zu unternehmen. Kritik an seiner eigenen Auswanderung in die Schweiz wies er in einem Interview mit Sandra Maischberger zurück: "Meine Unternehmen haben immer in Deutschland Steuern bezahlt."

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