Gründer-Kolumne Jeder braucht mal einen Engel

Eine gute Idee, aber kein Startkapital? In jedem Fall wäre es doch toll, wenn einfach ein Engel erschiene, um den Scheck in erforderlicher Höhe auszustellen. Doch leider kommen diese Himmelsboten nicht von alleine. Wie man den richtigen Business Angel findet, verrät Gründerexperte Tobias Kollmann.

Ob Johannes Gutenberg oder Werner von Siemens: Beide haben nicht nur Erfindungen hervorgebracht, welche die Welt nachhaltig beeinflusst haben, es verbindet sie auch die Tatsache, dass sie ohne die finanzielle Unterstützung eines "wohlhabenden Gönners" nicht das erreicht hätten, wofür ihre Namen heute stehen. Sie hatten eben zum richtigen Zeitpunkt einen Engel aus der Geschäftswelt oder moderner ausgedrückt, einen Business Angel an ihrer Seite.

Der Business Angel an sich ist demnach nichts Neues und er kam nicht etwa erst mit dem Internethype vom Himmel geflogen. Es handelt sich vielmehr um ein Wesen, welches schon immer in Form einer vermögenden Privatperson eigenes Kapital in junge Unternehmer investierte.

Dieser Geldtransfer war und ist natürlich nicht als eine engelhafte Schenkung anzusehen. Vielmehr ist hiermit das irdische Ziel verbunden, eine Beteiligung an der Unternehmung zu erhalten, die sich später gewinnbringend verkaufen lässt. Business Angels tragen also keinen Heiligenschein, sie wollen Profit machen und erwarten für ihre Investitionen eine überdurchschnittliche Rendite.

Darüber hinaus bringen sie aber auch unternehmerisches Know-how, bestehend aus ihren beruflichen Erfahrungen und Kontakten, als Mehrwert ein. Hierdurch können sie den Gründer bei seinen ersten Schritten kompetent beraten und betreuen. Ein Business Angel hat also zwei Flügel: Der eine steht für Kapital, der andere für unternehmerisches Wissen. Passive Privatinvestoren, das heißt solche, die "nur" eine Möglichkeit zur Geldanlage suchen und kein Know-how einbringen können oder wollen, sind nur "einflügelig" und daher keine Engel.

Wo sind die Engel?

Für junge Unternehmen auf der Suche nach Kapital und Erfahrung beginnen hier wahrscheinlich die ersten Schwierigkeiten. Viele Business Angels suchen nicht gerade die Öffentlichkeit. Daher beginnt die Suche zunächst im persönlichen Umfeld.

Um auf einen der eingangs erwähnten Herren zurückzukommen: Werner von Siemens und Georg Halske erhielten 1847 von Johann Georg Siemens, einem Vetter Werners, 6842 Taler Startkapital für die "Telegraphen-Bau-Anstalt von Siemens & Halske"; der Rest ist bekannt. Doch bei der Verquickung familiärer, freundschaftlicher und geschäftlicher Aspekte ist Vorsicht angebracht. Solche Beziehungen müssen uneingeschränkt krisentauglich sein.

Jeder Engel hat zwei Flügel

Führt die Suche im eigenen Bekanntenkreis nicht zum gewünschten Ergebnis, kann man auf fremde Beziehungsnetzwerke zurückgreifen. So existieren regionale (wie beispielsweise Business Angel Venture GmbH in Köln) und überregionale (zum Beispiel Brains to Venture GmbH in München/St.Gallen) Vereinigungen, die den Kontakt zu Business Angels organisieren.

Eine weitere Anlaufstelle bietet das Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND), das bei Kontaktsuche zu potenziellen Engeln bundesweit behilflich ist. Um mit Engeln in Kontakt zu kommen, bieten sich auch regionale Unternehmer- beziehungsweise Industrieclubs an (wie zum Beispiel Haus der Bayerischen Wirtschaft oder Kieler Kaufmann).

Was einen guten Engel ausmacht

Engel auf Prüfstand

Eine andere Möglichkeit ist, öffentlich bekannte Angels wie zum Beispiel erfolgreiche Unternehmer oder kompetente Branchenkenner anzusprechen. Hinweise bieten sich dafür beispielsweise über Zeitungs- oder Fernsehberichte. Business Angels sind aber ferner auch im Umfeld von themenverwandten Veranstaltungen, wie etwa Businessplanwettbewerben, zu finden. Auch speziell organisierte Branchentreffs bieten eine gute Kontaktchance. Da solche Treffen in der Regel für alle offen sind, gilt es, sich ein Herz zu fassen und aktiv den Kontakt zu suchen.

Ist ein Engel gefunden, so heißt das allerdings noch lange nicht, dass dieser auch der Richtige ist. Business Angels sollten über relevante Erfahrungen in Bezug auf die Unternehmensidee und über aktuelle Kontakte in der entsprechenden Branche verfügen. Ferner kommt es vor allem auf "die richtige Chemie" zwischen Engel und Gründer an. Hat man die gleichen Ziele und das gleiche Verständnis?

Zudem muss der Business Angel den Gründern Freiraum lassen, darf nicht "zu aktiv" werden und die finanzielle Abhängigkeit ausnutzen. Womit wir bei Gutenberg angelangt wären: Der Investor, Johannes Fust und dessen Schwiegersohn und Mitarbeiter in der gutenbergschen Werkstatt, Peter Schöffer, übernahmen nach einem Gerichtsprozess das Unternehmen: So wurde aus Sicht des Gründers der Business Angel zum Business Devil.

Kennzeichen eines Business Angels

Aber ein guter Business Angel muss noch einiges mehr aufweisen: Er sollte genügend Zeit mitbringen, das heißt nicht zu viele Investments gleichzeitig betreuen. Was nützt die unternehmerische Erfahrung, wenn man den Engel nicht oder nur selten in der Firma hat? Hier wird deutlich, dass auch der Unternehmer eine Art "due diligence“ bei der Prüfung des Business Angels durchführen kann. Über die angesprochenen Aspekte hinaus spielen folgende Punkte eine Rolle:

  • Spezifikation des unternehmerischen Mehrwerts
  • nachprüfbare Auskunft über den Erfolg bisheriger Angel-Engagements
  • Auskunft über die Menge an aktuellen Angel-Engagements
  • Herkunft des zu investierenden Vermögens
  • Darstellung der Berufserfahrung
Alles in allem - Business Angels liefern Kontakte und Geld für Unternehmensgründer. Sie engagieren sich früh und sind damit idealer Ansprechpartner in einer Phase, in der andere Investoren noch Zurückhaltung üben. Sie zu identifizieren und gezielt anzusprechen, ist jedoch eine der ersten unternehmerischen Herausforderungen. Um diesen Prozess zu erleichtern, hier auch eine Bitte an alle Angels: Tut Gutes und redet darüber.

Gründermarkt: Kapital und Kontakte für Start-ups


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