Boris Becker Spiel, Satz, Bewährungsstrafe

Boris Becker bleibt ein freier Mann. Das Münchner Landgericht verurteilte den ehemaligen Tennisstar wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Außerdem muss Becker insgesamt 500.000 Euro zahlen. Unterdessen hält mindestens ein Werbepartner ihm die Treue.

München - Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 300.000 Euro, außerdem soll Becker 200.000 Euro Geldbuße als Bewährungsauflage an verschiedene karitative Einrichtungen entrichten.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch nach der überraschend schnell beendeten Beweisaufnahme dreieinhalb Jahre Haft für den 34- Jährigen gefordert. Angesichts der 1991 bis 1993 hinterzogenen Steuer im Volumen von umgerechnet rund 1,7 Millionen Euro sei eine harte Strafe nötig, hatte der Vertreter der Anklage erklärt.

Die Verteidigung hatte diese Forderung als unangemessen kritisiert. Die beiden Verteidiger hatten dafür plädiert, allenfalls eine Haftstrafe auf Bewährung zu verhängen, die damit maximal zwei Jahre betragen könnte.

"Froh und erleichtert"

Becker äußerte sich nach der Urteilsverkündung "froh und erleichtert" und nahm das Urteil an. Staatsanwalt Matthias Musiol sagte, umgerechnet entspreche das Urteil seinem Strafantrag. Noch in dieser Woche werde entschieden, ob das Urteil akzeptiert wird. Becker ist mit dem Urteil vorbestraft. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. In dieser Zeit muss er einen Wohnsitz-Wechsel den Behörden melden.

Die Vorsitzende Richterin Huberta Knöringer erklärte in der Urteilsbegründung, Becker sei in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig gewesen. Er habe seinen Münchner Wohnsitz, den er seit September 1991 hatte, in seinen Steuererklärungen für 1991 bis 1993 bewusst nicht offen gelegt, um höhere Steuern zu vermeiden. In dieser Zeit habe er 3,4 Millionen Mark (1,7 Millionen Euro) Steuern hinterzogen.

Die Kombination von Freiheits- und Geldstrafe entspreche einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten, sagte Knöringer. Sehr hoch sei dem Angeklagten das Geständnis anzurechnen. Damit habe er eine umfangreiche, komplizierte Beweisaufnahme erspart. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht, dass die Tat bereits lange zurückliegt.

DaimlerChrysler hält die Treue

Zu berücksichtigen sei auch, dass Becker mehr als die in der Anklage genannten 1,5 Millionen Euro ans Finanzamt nachgezahlt habe. Das Gericht hielt Becker auch zugute, dass er zur Tatzeit jungwar und die Durchsuchungen und Ermittlungen ihn erheblich belastet hatten.

Die Richterin wies auch darauf hin, dass Becker 1994 offiziell nach Deutschland zurückgekehrt und anders als viele andere Prominente hier seine Steuern zahle. Sie wandte sich ausdrücklich gegen den Eindruck, Prominente könnten sich vor Gericht freikaufen.

Die Verurteilung des Tennisstars wird indessen keine Auswirkungen auf dessen Werbeverträge mit DaimlerChrysler haben. Wie die Unternehmenssprecherin für Sportkommunikation, Claudia Merzbach, auf AP-Anfrage mitteilte, werde man `in guten wie in schlechten Zeiten" zusammenhalten. `Wer keinen Fehler macht, ist gut, wer daraus lernt, ist besser. Wir gehen davon aus, das Herr Becker daraus gelernt hat", sagte Merzbach. Zu Laufzeit und Dotierung der Werbekontrakte mit dem im Falle der Rechtskraft des Urteils vorbestraften Wimbledon-Sieger wollte die Sprecherin keine Auskunft geben.

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