Kirch-Krise Abschied des unerwünschten Ratgebers

Leo Kirch verlässt den Aufsichtsrat des Axel Springer Verlags. Dabei lässt es sich der gescheiterte Medienmogul allerdings nicht nehmen, noch einmal gegen den Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zu wettern.

Berlin/Hamburg – Nachdem Leo Kirch jüngst seinen 40-Prozent-Anteil am Axel Springer Verlag  der Deutschen Bank  als Pfand für einen nicht zurückgezahlten Kredit überlassen musste, bricht der gescheiterte Medienmogul nun seine Brücken zu dem Berliner Medienkonzern endgültig ab.

Wie der SPIEGEL berichtete wird Kirch den Aufsichtsrat von Springer verlassen. Damit kam er seinem eigenen Rausschmiss zuvor. In einem Brief an die Verlagserbin Friede Springer kündigte er den Abschied an, obwohl er noch bis 2004 gewählt ist.

"Nachdem mein Rat für Ihr Unternehmen heute nicht mehr in meinem eigenen Interesse liegt und von der Führung offensichtlich nicht mehr gewünscht wird, habe ich mich entschlossen, mein Mandat im Aufsichtsrat des Verlags kurzfristig niederzulegen", begründet Kirch den Rückzug.

Eine Spitze gegen den ungeliebten Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner konnte sich Kirch indes in dem Schreiben an Friede Springer nicht verkneifen: "Ich wünsche Ihnen mit der Verantwortung, die Sie nunmehr ungeteilt tragen, eine glückliche Hand, sei es bei den notwendigen Sachentscheidungen der Zukunft wie auch in der Auswahl der Sie auf diesem Weg begleitenden Mitarbeiter."

Ende der ungeliebten Zusammenarbeit

Die vakante Stelle in dem Kontrollgremium bleibt vorerst unbesetzt. Ein möglicher Nachfolger steht noch nicht bereit. Mit nunmehr acht Mitgliedern ist das Gremium weiterhin beschlussfähig.

In der Vergangenheit war das Verhältnis zwischen Kirch und Springer alles andere als gut. Der Münchener Medienunternehmer versuchte immer wieder, auf die Geschicke des Zeitungshauses ("Bild") Einfluss zu nehmen.

Umgekehrt wurde der Niedergang des Kirch-Konzerns unter anderem durch die Forderung von Döpfner ausgelöst, wonach Kirch Anteile an der ProSiebenSat1 Media AG  im Wert von 767 Millionen Euro zurückkaufen musste.

Dieser Vorgang wird demnächst Thema einer Sonderprüfung von Aufsichtsrat und Vorstand sein. Kirch beschäftigt Springer wohl noch etwas länger – auch ohne Kontrollmandat.

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