ABB Ist Martin Ebner pleite?

Den ehemals gefeierten Finanzvisionär Martin Ebner hat offensichtlich das Glück verlassen. Der Schweizer Raider und Großfinanzier ist aus dem Verwaltungrat von ABB ausgeschieden - angeblich aufgrund akuter pekuniärer Schwierigkeiten.

Zürich - Der Schweizer Finanzier Martin Ebner hat sein Mandat im Aufsichtsrat des schwedisch-schweizerischen Technologiekonzerns ABB niedergelegt. Wie ABB am Dienstag in Zürich mitteilte, machte er dafür "persönliche Gründe" geltend.

Ebner war seit 1999 Mitglied im Aufsichtsrat. In Stockholmer Medien wurde als Hintergrund für die Krise seine akute Finanznot genannt. Ebner selbst verhandelt mit Schweizer Banken derzeit über das Überleben seiner Investmentgruppe BZ. Er hält über die BZ Bank in Zürich einen 9,4-prozentigen Anteil an ABB.

Die Frage eines Verkaufs der ABB-Anteile soll nach Angaben von BZ "offen" sein. Der Handel mit ABB-Aktien wurde am Vormittag an der Schweizer Börse auf Wunsch des Konzerns kurz ausgesetzt. Das Papier hatte zuvor um 3,8 Prozent auf 4,32 Franken (2,96 Euro) zugelegt. ABB nannte keine konkreten Gründe für das Aussetzen des Aktienhandels. Auch Kurt Schiltknecht, Sprecher der BZ-Gruppe, wollte die Handelspause nicht kommentieren.

Die Aktien des ABB-Konzerns haben innerhalb von zwei Monaten etwa die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Ebner hatte als einflussreicher Minderheitseigner bei ABB unter anderem maßgeblich daran mitgewirkt, dass extrem hoch dotierte Pensions- und Abfindungsverträge mit dem früheren schwedischen Vorstands- und Vorstandschef Percy Barnevik teilweise rückgängig gemacht wurden.

Absturz des Finanzgenies

Mit dem Rückzug setzt sich Ebners Niedergang fort. Der ehemals als "Mr. Shareholder" gefeierte Börsenzauberer musste bereits im August seine Investmentgesellschaften abgeben. Die vier unter dem Namen "Vision" firmierenden Fonds wurden damals von der Zürcher Kantonalbank übernommen.

Genau wie sein Absturz ist auch Ebners Aufstieg beispiellos. In den 90er Jahren schuf der frühere Vontobel-Analyst ein Finanz-Imperium und machte sich in den Vorstandsetagen einen Namen als gefürchteter Raider. Sein Vermögen belief sich im vergangenen Jahr auf etwa zwei Milliarden Dollar. Auf der Forbes-Reichsten-Liste 2001 belegte Ebner Rang 208.

Zuletzt allerdings lag er mit seinen Investments häufig daneben. "Er hat nur noch die falschen Aktien gekauft", hieß es aus Börsenkreisen. Jetzt kassiert Ebner offenbar eine weitere Rechnung für seine Fehlentscheidungen. Bei der Forbes-Liste für das Jahr 2002 wird er wohl ein paar Plätze abgeben müssen.

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