UBS Warburg Clever eingefädelt

Phil Gramm wechselt von der Politik in die Wirtschaft - auf sehr dubiose Weise. Der Karrieresprung des Senators schlägt hohe Wellen. Mit den Mechanismen des Lobbyismus kennt sich auch seine Frau Wendy bestens aus.

New York - Die zweite Karriere von Phil Gramm, Senator aus Texas und langjähriger Vorsitzender des Bankenausschusses, sorgt in den USA für immer größere Empörung. Der 60-jährige Republikaner wechselt als Investmentbanker an die Wall Street.

Beim Bankhaus UBS Warburg, einer Tochter der Schweizer UBS, wird der Berufspolitiker, der seit 24 Jahren dem Senat angehört, ab Januar 2003 den Posten eines Vize-Präsidenten bekleiden.

Das Brisante an der Personalie ist, dass Gramm einer der eifrigsten Verfechter einer Deregulierung der Finanzmärkte war. Der Politikprofi hatte maßgeblichen Anteil daran, dass vor zwei Jahren ein US-Gesetz geändert wurde, demzufolge Investment- und Geschäftsbanken getrennt sein müssen.

Das Gesetz erlaubt seit der Änderung den Banken, Brokerage-, Versicherungs- und Bankgeschäfte wieder unter einem Dach zu betreiben. Durch die Novellierung des Gesetzes war das Entstehen von UBS Warburg erst möglich geworden. Wie es aus Bankenkreisen heißt, wolle sich nun UBS dafür bei Gramm mit dem Top-Posten bedanken.

Die berufliche Karriere von Phils Frau Wendy ist von gleichem Kaliber. Anfang der neunziger Jahre war sie Vorsitzende einer staatlichen Kontrollkommission, die den Handel auf dem Energiemarkt überwachen sollte. Doch Wendy Gramm sah ihren Auftrag eher in der Deregulierung der Energiekonzerne. So befreite sie ein Unternehmen von der staatlichen Kontrollaufsicht, das seit Ende vergangenen Jahres in den USA traurige Berühmtheit erlangt hat: Enron.

Den Zuschlag bekam UBS Warburg

Enron zeigte sich sehr dankbar. Zum einen sponserte der Konzern den Wahlkampf von Wendys Ehemann Phil. Zum anderen gab es für Wendy Gramm einen Platz im Aufsichtsrat des Konzerns. "Wenn der Senator und seine Frau tanzten, dann oft zum Takt von Enron", schrieb die "New York Times".

Wendy Gramm scheint angeblich von den Bilanzfälschungen der Enron-Manager, die das Unternehmen in eine der spektakulärsten Pleiten der US-Geschichte trieben, nichts gewusst zu haben. Doch ihr Handeln im Januar 2002, als Enron Insolvenz anmeldete, passt zu dem Wirbel, den ihr Ehemann jetzt verursacht: Damals suchte der Aufsichtsrat einen Weg, die riesigen Stromkapazitäten des Energieriesen auf einen Schlag zu verschleudern, ohne dass die US-Regierung die Verteilung übernehmen würde.

Wendy Gramm und ihre Aufsichtsratskollegen erteilten einer Investmentbank den Zuschlag, die das Handelsgeschäft von Enron übernahm, und das auch noch umsonst. Die Bank heißt UBS Warburg.

UBS Warburg: Mit einem Schlag an die Spitze des US-Stromgeschäfts

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