Stiftung Warentest Manager "riestert" sich in Rente

Die größte Pleite beim Warentester kostet offenbar einen Verantwortlichen den Posten. Die Verbraucherschützer tüfteln derweil an Lösungen, wie ein zweites Fiasko verhindert werden kann.

Hamburg/Berlin - Der fehlerhafte Test der Stiftung Warentest zu Riester-geförderten Rentenversicherungen führt offenbar zu personellen Konsequenzen. Wie die "Welt" berichtet, muss Peter Schütt, der viele Jahre die Abteilung Finanzdienstleistungen bei der Stiftung geleitet hat, seinen Hut nehmen.

Die Pressesprecherin der Stiftung, Heike von Laak, möchte auf Nachfrage von manager-magazin.de den angeblichen Rauswurf Schütts nicht kommentieren. "Klar ist aber, dass wir uns natürlich intensiv Gedanken machen, wie wir den Fehler in Zukunft verhindern können."

Der Prozess der Untersuchung sei noch in vollem Gange. Der bisherige Untersuchungsstand habe vorerst zwei Veränderungen mit sich gebracht.

Heike von Laak dazu: "Zum einen soll ein zusätzlicher 'Verifizierer' eingestellt werden, außerdem sollen größere Gruppen gebildet werden, deren Mitglieder sich gegenseitig kontrollieren."

Gab es Hinweise vor der Veröffentlichung?

Wie die "Welt" weiter berichtet hatte, habe es schon vor Veröffentlichung des fehlerhaften Tests Hinweise aus Warentest-Gremien gegeben. Von Laak meint auf Nachfrage von mm.de: "Das stimmt so nicht, zumindest nicht aus den externen Gremien, wie beispielsweise dem Kuratorium." Diese Gremien säßen ja gar nicht im Haus und würden nur prüfen, welche Themen sich generell für die Stiftung Warentest eignen.

"Theoretisch möglich wäre es, dass es Hinweise auf die Fehlerhaftigkeit des Tests aus dem so genannten Fachbeirat gegeben hat, also dem Gremium, in dem Hersteller wie Verbraucherschützer sitzen - Das ist mir aber nicht bekannt."

Fehler führte zum Verkaufsstop

In der September-Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" waren 374 Angebote staatlich geförderter Rentenversicherungen untersucht worden, von denen aber 77 wegen eines Fehlers der Tester zu schlecht beurteilt wurden. Erstmals zog daraufhin die Stiftung eine "Finanztest"-Ausgabe aus dem Einzelhandel zurück, die Abonnenten wurden schriftlich informiert. Der materielle Schaden dieser Panne wird auf etwa 150.000 Euro veranschlagt. Noch schwerer dürfte jedoch der Imageverlust wiegen.

Die Rücknahme der "Finanztest"-Ausgabe aus dem Handel ist ein bisher einmaliger Vorgang in der Geschichte der 1964 gegründeten Stiftung. In der Vergangenheit hatten zwar einige Unternehmen, die bei Tests schlechte Noten bekommen hatten, mehrfach versucht, auf juristischem Wege gegen die Verbraucherschützer vorzugehen. Doch zum Rückruf einer Ausgabe aus den Kiosk-Regalen ist es noch nie gekommen.

"Ein äußerst dummes Missgeschick"

Einen Verkaufsstopp dagegen hatte es erst Mitte letzten Jahres gegeben. Die Auslieferung der Mai-Ausgabe 2001 von "Finanztest" musste gestoppt werden, nachdem durch einen Fehler bei der Datenerhebung zwei private Rentenversicherungstarife des Münchener Versicherers WWK falsch beurteilt worden waren.

Durch den Fehler wurden die Rentenversicherungstarife R12F und R12M des Münchener Unternehmens mit "mangelhaft" beziehungsweise "ausreichend" bewertet, obwohl beide Tarife das Qualitätsurteil "gut" verdient hätten. "Ein äußerst dummes Missgeschick, für das wir uns bei der WWK entschuldigt haben", sagte damals ein Sprecher von "Finanztest".

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