Nobelpreis für Wirtschaft Von Anlegern und Marktforschern

Wie verhalten sich Aktionäre in riskanten Situation? Und wie lassen sich mit komplexen Modellen dynamische Märkte analysieren? Die Amerikaner Vernon Smith und Daniel Kahneman fanden die Antwort - und wurden mit dem Nobelpreis für Wirtschaft belohnt.

Stockholm - Die Schwedische Akademie der Wissenschaften sprach am Mittwoch den beiden Amerikanern Daniel Kahneman und Vernon L. Smith den mit umgerechnet rund einer Million Euro dotierten Preis zu. Bereits 2000 und 2001 hatte die Akademie den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften an US-Forscher verliehen.

Der 68-jährige Kahneman wurde 1934 in Tel Aviv geboren, und besitzt neben der amerikanischen auch die israelische Staatsbürgerschaft. Er hat in Israel und Kanada gelehrt und forscht mittlerweile an der Elite-Universität Princeton in New Jersey.

Der Professor hat in der Finanzwelt schon viel Aufsehen erregt, weil er mit seiner Forschung den Glauben widerlegte, dass der Mensch vor allem durch materielle Anreize motiviert wird und rationale Entscheidungen trifft.

Wie verhält sich der Mensch in riskanten Situationen?

Zusammen mit dem 1996 verstorbenen Amos Tversky entwickelte Kahneman die so genannte Prospect Theory, die unter Wirtschaftswissenschaftlern als Geniestreich gilt. Sie zeigt, wie Menschen sich in riskanten Situationen verhalten - etwa beim Kauf oder Verkauf von Aktien.

Das Ergebnis war sensationell und passt so gar nicht zum Börsenboom der neunziger Jahre: Menschen sind pessimistisch, sagt Kahneman, und sie lassen sich stärker von drohenden Verlusten als von potenziellen Gewinnen beeinflussen.

In seinen Studien zeigte der Wirtschaftspsychologe, dass Menschen unfähig sind, schwierige Situationen vollständig zu analysieren, wenn die Folgen unsicher sind. Sie zögen oft kurzsichtige Schlüsse, wenn nur wenige Informationen fließen. Das Nobelpreiskomitee hat sich von der Theorie überzeugen lassen: Damit ließen sich die Turbulenzen und starken Kursverfälle an den Börsen besser erklären, die seit geraumer Zeit die Welt erschüttern.

"Wie ein Auto im Windkanal"

Der zweite Preisträger, Vernon Smith, ist Professor an der George Mason University, die im US-Bundesstaat Virginia steht. Der 75-Jährige erfand Methoden, die den Standard für Laborexperimenten in der Wirtschaftsforschung legten.

Smith forscht über die Preisfindung und alternative Marktinstitutionen, zum Beispiel welchen Preis ein Verkäufer bei welcher Auktionsform erwarten kann. Der Amerikaner fragte sich, wie etwa der Elektrizitätsmarkt reagieren werde, wenn - wie in den USA geschehen - dessen staatliche Kontrolle wegfallen würde - und testete das neue Spiel unter veränderten Regeln im Labor.

Damit habe er das Fundament für die experimentellen Wirtschaftswissenschaften gelegt, befand das Nobelpreiskomitee. "Wie ein Auto im Windkanal" könnten nun verschiedene volkswirtschaftliche Situationen durchspielen, die verändern werden - etwa unter dem Einfluss neuer oder wegfallender Gesetze.

Die Experimentiermethoden von Smith wären möglicherweise hilfreich im Fall des deregulierten Strommarkts in den USA gewesen. Die Politiker hätten ihre Reform einmal vorher durchspielen sollen - wie bekannt ist, hat die Befreiung der Energieunternehmen von staatlicher Kontrolle nicht den erwünschten Effekt gebracht - siehe den Fall Enron.