Citigroup Kronprinz gekürt?

Lange wurde darüber gerätselt, wer die Nachfolge von Sanford Weill antreten soll. Jetzt scheint das Geheimnis gelüftet: die größte Bank der Welt betraut einen Telekom-Manager mit der Führung des operativen Geschäfts.
Von Karsten Schmidt

New York - Der weltgrößte Finanzdienstleister Citigroup  hat Michael Masin zum stellvertretenden Vorsitzenden (COO) ernannt und mit der Führung des operativen Geschäfts betraut. Mit der Ernennung Masins könnte ein potentieller Nachfolger von CEO Weill in den Konzern eingezogen sein.

Die Position wurde vakant, nachdem Masins Vorgänger Charles Price den Vorsitz der Investmentbanking-Abteilung übernommen hatte. Masin wird für seine neue Stellung seinen Sitz im Board der Citigroup aufgeben.

Der 57-jährige Jurist war zuletzt Präsident und Vize-Chairman von Verizon . Vorher hatte Mazin 25 Jahre als Partner in der New Yorker Kanzlei O'Melveny & Myers gearbeitet - unter anderem auch für Henry Kissinger, der ihn einmal als "äußerst intelligent und absolut integer" bezeichnete.

Wie das Unternehmen ferner mitteilte, wird Citigroup-Chef Sanford Weill den Verwaltungsrat bei AT&T verlassen. AT&T wird wird seine Breitband-Sparte Ende des Jahres für 47 Milliarden Dollar an den Kabelanbieter Comcast verkaufen.

Im Visier der Ermittler

Weill sagte, er wolle damit Interessenkonflikten aus dem Weg gehen. "Wir wollen ganz vorne bei der Reform der Corporate Governance dabei sein und jede Verquickung von Posten vermeiden", sagte Weill der "Washington Post".

Vermutet wird darüber hinaus, dass Weill mit diesem Schritt seinen Kritikern, allen voran der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spizer, den Wind aus den Segeln nehmen will.

Denn seit dem AT&T-Skandal um den Staranlysten Jack Grubmann gerät auch der Chef der größten Bank der Welt zunehmend ins Visier der Ermittler.

Grubman, der bei der Citigroup-Tochter Salomon Smith Barney arbeitete, hatte seine Einstufung der AT&T-Aktien 1998 von negativ auf positiv geändert. Salomon Smith Barney war einer von drei Konsortialführern bei der lukrativen AT&T-Emission.

Spitzer will nun mit Hilfe der konfiszierten Akten von AT&T festzustellen, ob die Beziehungen von Sanford Weill und AT&T-Chef C. Michael Armstrong eine Rolle bei dem Sinneswandel Grubmans gespielt haben.

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