Haim Saban Der Sieben-Millionen-Dollar-Mann
New York - Haim Saban ist einer, der sich nicht gern überbieten lässt. Als er vor einigen Jahren hörte, dass ein anderer Spender dem Demokratischen Wahlkampfkomitee 250.000 Dollar mehr als er selbst gegeben hatte, schickte der Milliardär einen zweiten Scheck über den Differenzbetrag und heftete zusätzlich einen Ein-Dollar-Schein daran. "Ich hoffe, der Typ findet es nicht heraus", sagte er der "Washington Post". "Er schickt sonst womöglich noch zwei Dollar."
Diese Anekdote spricht Bände über den 58-Jährigen, der auch im Bieterstreit um die bankrotte KirchMedia bisher das höchste Gebot abgegeben hat. Zusammen mit dem französischen Fernsehsender TF1 hatte Saban ursprünglich 2,6 Milliarden Dollar geboten. Zuletzt war in Insiderkreisen von knapp zwei Milliarden Dollar die Rede. Vier Bieterkonsortien konkurrieren um das deutsche Medienimperium. Anfang November soll der Käufer feststehen.
Als großer Unbekannte in dem Monopoly wird Saban in Berichten gern als "der König Midas der Medienwelt" bezeichnet. Doch das trifft nicht ganz zu: Trotz seines nicht unbeträchtlichen Vermögen von 1,7 Milliarden Dollar findet er sich auf der "Forbes"-Liste der reichsten Medien-Mogule erst an 19. Stelle. Vor ihm rangieren so illustre Namen wie Steven Spielberg und Ted Turner (beide 2,2 Milliarden), George Lucas (3 Milliarden), Michael Bloomberg (4,8 Milliarden) und natürlich Rupert Murdoch (5 Milliarden).
Sieben Millionen für die Demokraten
Doch der 1983 in die USA eingewanderte Israeli arbeitet hart daran, in das amerikanische Establishment vorzustoßen. Aufsehen erregte er im März mit der größten Einzelspende, die jemals an eine politische Partei gegeben wurde: Sieben Millionen Dollar für die neue Wahlkampfzentrale der Demokraten. Der "Sieben-Millionen-Dollar-Mann" wird Saban seither genannt, Ex-Präsident Bill Clinton bezeichnet ihn als "wahren Freund".
Dank seiner Freigebigkeit ist der Aufsteiger unter den Champagner-Sozialisten von Beverly Hills, Postleitzahl 90210, inzwischen ein Begriff. Seine Frau Cheryl ist laut Los Angeles Times "eine der heißesten Gastgeberinnen der Stadt". Das ehemalige Model, Künstlername "Flower", hat einen direkten Draht zu Hillary Clinton und Jane Fonda. Demokratische Top-Politiker kommen regelmäßig zu den legendär luxuriösen Dinners in dem Haus der Sabans, das einem Chateau aus dem Loire-Tal nachempfunden ist.
Erstes Geld mit Karate-Comics
Erstes Geld mit Karate-Comics
Sein Vermögen hat Saban allerdings mit weniger vorzeigbaren Charakteren gemacht. Anfang der Neunziger importierte er die "Mighty Morphin Power Rangers" aus Japan in die USA. Sturm laufende Eltern und Pädagogen konnten nicht verhindern, dass die gewalttätigen Karate-Comicfiguren zur beliebtesten Kinder-Fernsehserie des Jahrzehnts wurden.
Rund sechs Milliarden Dollar brachte laut "Forbes" allein das Merchandising zwischen 1993 und 2001 ein. Auch die Einführung der "Ninja Turtles" in den westlichen Kulturkreis ist dem fitness-gestählten Unternehmer zu verdanken.
Besonders ironisch, aber kühl kalkuliert, erscheint in diesem Zusammenhang, dass Haim und Cheryl Saban sich in ihren gemeinnützigen Aktivitäten besonders für Kinder stark machen. Cheryl hat kürzlich ein Buch veröffentlicht: "50 Wege, um unsere Kinder zu retten". Ihr Mann unterstützt unter anderem ein Nachmittags-Leseprogramm für Kinder in Los Angeles und etliche Bildungseinrichtungen.
Sabans größter Coup
In den vergangenen drei Jahren habe das Ehepaar auch jährlich ein so genanntes "Frost Fest" für benachteiligte Kinder veranstaltet, berichtet die "Los Angeles Times": Sie ließen echten Schnee in ihren Garten schaffen und luden 2500 Youngster zu einer Freiluft-Party ein.
Seinen größten Coup landete Saban vergangenen Oktober, als er seinen Anteil an Fox Family Worldwide an den Disney-Konzern verkaufte. Der Kabelsender, den Saban als gleichberechtigter Partner mit Rupert Murdoch gegründet hatte, war das Vehikel, mit dem die "Power Rangers" um die Welt reisten.
Für die 81 Millionen US-Haushalte und 34 Millionen Abonnenten in Europa und Lateinamerika zahlte Disney insgesamt 5,3 Milliarden Dollar (inklusive der Übernahme von 2,4 Milliarden Dollar Schulden). Von den 2,9 Milliarden Dollar Bargeld bekam Saban die Hälfte. Ein Megadeal, der Saban den Ruf als beinharter Verhandlungskünstler mit exquisitem Timing bescherte.
Neues Leben mit KirchMedia?
Neues Leben mit KirchMedia?
Das Geld liegt seither auf verschiedenen Konten. Als "Hollywoodmogul im Winterschlaf" hatte darum das "Wall Street Journal" Saban vor einem Jahr bezeichnet. Zur Vermögensverwaltung gründete Saban die Saban Capital Group. Die Beteiligungsgesellschaft ist gerade in ein neues Büro gezogen - ein Penthouse in einem 26-stöckigen Wolkenkratzer in Los Angeles. Jahresmiete: Geschätzte 1,5 Millionen Dollar. Bis Juni war Saban noch als Berater für Disney tätig. Die Übernahme von KirchMedia könnte sein "neues Leben", wie er es nennt, einleiten.
Es ist nicht das erste Mal, dass Saban vor einer großen Entscheidung steht. Sein Lebenslauf ist selbst für amerikanische Verhältnisse äußerst gewunden. Geboren im ägyptischen Alexandria, mit 12 Jahren nach Israel umgesiedelt, nach dem Jom-Kippur-Krieg 1975 nach Paris gegangen, acht Jahre später nach Hollywood. Er hat einen israelischen und einen amerikanischen Pass.
Von der Beatles-Cover-Band zu den Power Rangers
Zu den Cartoons gekommen ist Saban über die Musik. Zunächst spielte er während seiner Militärzeit in Israel Bass in der Beatles-Cover-Band "The Lions", dann arbeitete er als Konzertveranstalter. Der Jom-Kippur-Krieg zwang ihn, eine Tournee abzusagen und später mit Schulden nach Paris zu ziehen. Dort begann er, Filmmusik zu produzieren. Mit 500.000 Dollar Startkapital ging er dann über den Atlantik, wo er zunächst die Musik für Cartoons produzierte, bevor er in Japan seine Goldesel entdeckte.
Seine Frau Cheryl traf er auf der Arbeit. Sie hatte sich auf eine Stellenanzeige im "Hollywood Reporter" beworben. Sie war damals 36, zweimal geschieden, zwei Kinder. Er war 49, Single. Nach wenigen Wochen war sie nicht mehr nur seine Sekretärin. Es folgten zwei gemeinsame Kinder, inzwischen haben sie auch ein Enkelkind. Es heißt "Marley", nach dem inzwischen verstorbenen König der Kiffer, Reggae-Star Bob Marley.
Sabans Qualitäten als Manager sind umstritten. Analysten etwa weisen darauf hin, dass er Fox Family mit einem riesigen Schuldenberg hinterlassen hat. Saban verteidigt sich mit dem naheliegenden Argument, dass der Sender Disney immerhin über fünf Milliarden Dollar wert gewesen sei. Abgesehen davon hat er auch bereits erklärt, nicht mehr im operativen Geschäft tätig sein zu wollen. Saban: "Auf der Board-Ebene kann ich mehr bewirken".