FDP Hamm-Brücher ist ausgetreten

Die Grande Dame der Liberalen, Hildegard Hamm-Brücher, hat ihrer Partei den Rücken gekehrt.

München - Enttäuschung ist der Hintergrund für den Parteiausstritt der 81-jährigen Hamm-Brücher. Am Wahlsonntag schickte sie einen Brief an Parteichef Guido Westerwelle, in dem sie wahr machte, was sie bereits vor Monaten angedroht hatte: Den Austritt aus der Partei, der sie seit 1948 angehörte.

Als Begründung nennt sie vor allem die antiisraelischen Äußerungen des inzwischen zurückgetretenen Parteivize Jürgen Möllemann. Westerwelle wirft sie mangelnde Führungsverantwortung vor. "Sie haben zu lange geschwiegen und dem Möllemann-Kurs nicht rechtzeitig Paroli geboten", heißt es in dem Brief. In einer zur rechten Volkspartei à la Möllemann gestylten FDP könne sie keine Spuren aufrechter Liberaler mehr entdecken, schreibt Hamm-Brücher weiter.

Bereits im Mai hatte sie sich in einem Schreiben an Westerwelle gewandt und mit deutlichen Worten kritisiert, dass Möllemann eine neue Variante von Antisemitismus salonfähig mache. Damals hatte sie geschrieben: "Ich schäme mich für meine Partei, dass dieser Eindruck überhaupt entstehen konnte, und dafür, dass er nicht entschlossen, aufrichtig und glaubwürdig zerstreut wird."

Hamm-Brücher gilt vor allem im bürgerlichen Lager als Ikone der sozialliberalen Ära. Sie diente Hans-Dietrich Genscher als Staatsministerin im im Auswärtigen Amt und kämpfte bis zuletzt gegen das Bündnis mit der Union - auch als die FDP schon längst mit CDU/CSU koalierte. Aus Protest gegen eine Koalitionsaussage der bayerischen FDP zu Gunsten der CSU war sie 1998 bereits aus der Landespartei ausgetreten und hatte seither ihre Beiträge direkt an den Bundesverband gezahlt. 1994 war sie als Bundespräsidentschaftskandidatin für die FDP angetreten.