Karriere Was Frauen wollen

Nur für vier Prozent aller Frauen in Deutschland ist die Karriere das Wichtigste im Leben. Die meisten Geschlechtsgenossinnen wollen mehr: Familie, Kinder - und vor allem finanzielle Unabhängigkeit.

Hamburg - Nach der Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid ist finanzielle Unabhängigkeit für 94 Prozent der Frauen zwischen 20 und 60 Jahren wichtig oder sehr wichtig.

Gleich dahinter kommen aber schon traditionelle Werte wie Kinder, Ehe oder der Mann fürs Leben. Auch das Eigenheim gilt immerhin noch für 76 Prozent der befragten Frauen als erstrebenswert. Bei der Frage nach den wichtigsten Zielen in der Lebensplanung, kam "Karriere machen" mit 47 Prozent auf den letzten Platz.

Die meisten Frauen suchen offenbar nach einer Balance zwischen Beruf und Familie. Über die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr beide Werte gleich wichtig seien. Typisch für diese Haltung scheint zu sein, dass selbst Topmanagerin Britta Steilmann - immerhin Geschäftsführerin eines der größten Modehersteller Europas - jüngst in einem Zeitungsinterview über die Gründung einer eigenen Familie philosophierte. "Wenn man älter wird", so Steilmann gegenüber der Frankfurter Rundschau, "denkt man oft nach, ob es nicht einen großen Teil der menschlichen Existenz ausmacht, eine eigene Familie zu haben."

Für mehr als vierzig Prozent der Frauen gehen Partnerschaft und Familie dagegen immer noch vor Karriere. "Im Gegensatz zu Männern konzentrieren sich die Wünsche der Frauen nicht ausschließlich auf die Karriere", erklärt Emnid-Geschäftsführer Hartmut Scheffler die Umfrageergebnisse. "Bei Frauen gilt noch immer: keine Ellenbogen."

Bemerkenswert, so Scheffler, sei außerdem, dass die Wünsche und Ziele der Frauen nicht vom Alter der Befragten abhingen. "Mich hat das selbst überrascht, dass die finanzielle Unabhängigkeit auch bei den älteren Frauen auf Platz eins der Wunschliste steht", gesteht der Meinungsforscher. Für die Studie hatte das Institut im Auftrag der Commerzbank knapp 900 Frauen telefonisch zu ihren persönlichen Lebensentwürfen befragt.

Von ausgedienten Rollenbildern

Aber kann man alle Frauen wirklich so über einen Kamm scheren? Um besser differenzieren zu können, hat Scheffler die befragten Frauen in sechs Typen untergliedert. Typ eins nennt er die "selbstbewusste Partnerin". Diese ist trotz Berufstätigkeit stark auf Partnerschaft fokussiert und bildet mit der "modernen Frau von heute", die der Partnerschaft etwas weniger Wichtigkeit beimisst, die beiden "Mainstreamtypen", denen über 50 Prozent der Frauen angehören und deren Lebensentwürfe laut Scheffler auch die vorgelegte Studie prägen.

Zu Typ drei - der sogenannten "Individualistin" - gehören die reinen Karrierefrauen, bei denen die berufliche Selbstverwirklichung im Mittelpunkt der Lebensplanung steht. Scheffler bezeichnet sie deshalb auch als "berufliche Ich-AGs". Die "Individualistin" macht, wie auch Typ vier - die "Existenzsichernde" - nur etwa 10 Prozent der Frauen zwischen 20 und 60 Jahren aus.

Von "Gesättigten" und "Volblut-Familienfrauen"

Einen ähnlich geringen Anteil nehmen auch die Typen fünf und sechs ein: Während die "Gesättigte" sich voll und ganz auf das Einkommen des Partners verlässt und zumindest in ihrer Freizeit nach Selbstverwirklichung strebt, kümmert sich die "Vollblut-Familienfrau" am liebsten um Kinder und Partner, denen sie alles andere vollkommen unterordnet.

Obwohl also der männliche Alptraum von der skrupellosen Karrierefrau, die den Herren in den Führungsetagen auf die Füße tritt, wohl ein Fantasieprodukt geblieben ist, scheint am anderen Ende des Spektrums auch das klassische "Heimchen am Herd" als Rollenbild langsam ausgedient zu haben.

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