Insolvenzverwalter Volker Grub will noch nicht in Rente

Über 32.000 Pleiten allein im Jahr 2001: Deutschlands Insolvenzverwalter haben alle Hände voll zu tun - wie einer ihrer Matadore, Volker Grub.

Stuttgart - Er kennt die Probleme von Unternehmen und damit auch die Stärken und Schwächen der deutschen Wirtschaft wie kaum ein anderer. Volker Grub zählt zu den prominentesten Insolvenzverwaltern Deutschlands.

Dass sich das Image dieses Berufs in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr vom Pleitegeier zum Sanierer wandelte, ist zu einem großen Teil auch das Verdienst des Stuttgarter Rechtsanwalts. Am 19. September wird Grub, der vor allem durch die Fälle Bauknecht und Südmilch bekannt wurde, 65 Jahre alt.

Grub stammt aus Bermaringen bei Ulm. Nach seinem Jurastudium und der Promotion versuchte er vergeblich, als Jungmanager in der Wirtschaft eine Anstellung zu finden. Schließlich ließ er sich 1965 als selbstständiger Anwalt in Stuttgart nieder und spezialisierte sich auf Firmenpleiten.

Aufsehen erregte er 1978 durch den Verkauf des Fernseher-Herstellers Körting an ein kommunistisches Unternehmen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Beim Mischkonzern Bauknecht gelang Grub 1982 eine Sanierung, indem er das Unternehmen in mehrere Teile zerlegte. Schlagzeilen machte der drahtige Anwalt auch mit dem Vergleich bei der Großmolkerei Südmilch 1992 und Ende vergangenen Jahres durch einen Ausflug in die "New Economy": Grub verkaufte die insolvente Software-Schmiede Brokat an zwei Konkurrenten.

Fusion mit der Kanzlei von Jobst Wellensiek

Wesentlichen Anteil hatte Grub an der 1999 eingeführten Insolvenzordnung, die den Begriff Konkurs abschaffte und für angeschlagene Unternehmen die Chancen auf einen Neuanfang erhöhte. Grub gilt als sensibler Sanierer und harter Kritiker von Management-Fehlern. Seine Stuttgarter Kanzlei fusionierte der "Wohlfühl-Vollstrecker" (DER SPIEGEL) 2001 mit der des renommierten Heidelberger Kollegen Jobst Wellensiek. Zusammen beschäftigen sie 35 Rechtsanwälte und 120 Mitarbeiter in acht deutschen Städten.

Grub ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sohn Philipp ist Partner in seiner Kanzlei. Trotz des anstrengenden Arbeitsalltags, zu dem hitzige Diskussionen mit Gläubigern zählen, denkt Grub nach eigener Aussage aber noch nicht ans Aufhören.

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