DaimlerChrysler Schrempp verjüngt den Vorstand

Der Aufsichtsrat von DaimlerChrysler beruft drei neue Mitglieder in das oberste Leitungsgremium. Die Hoffnungsträger kommen allesamt aus dem eigenen Haus.

Stuttgart/Auburn Hills - DaimlerChrysler Chef Jürgen Schrempp hat überraschend früh den Vorstand des Autokonzerns umgebaut und dabei auf jüngere Manager seines Vertrauens gesetzt.

Der Aufsichtsrat des Konzerns bestellte am Donnerstag im amerikanischen Auburn Hills die beiden bisherigen stellvertretenden Vorstandsmitglieder Wolfgang Bernhard (42) und Rüdiger Grube (51) zu ordentlichen Vorständen. Neuer Vorstand für Forschung und Technologie wird Thomas Weber (48), der die Nachfolge von Klaus-Dieter Vöhringer (61) antritt, teilte die DaimlerChrysler AG (Stuttgart) weiter mit.

Vöhringer verlässt ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages Ende 2002 auf eigenen Wunsch das Unternehmen. Weber firmiert künftig als stellvertretendes Vorstandsmitglied.

Bernhard gilt als eines der größten Talente

Schrempp folgt damit seiner angekündigten Linie, den erfahrenen Vorstandsmitgliedern jüngere Leute an ihre Seite zu stellen. Auch Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hatte bereits vor Monaten davon gesprochen, dass im Vorstand des drittgrößten Autokonzerns der Welt eine Verjüngung erfolgen werde.

Bernhard gilt als eines der größten Talente im Konzern und hat in der Chrysler-Konzernzentrale Auburn Hills die harten Sanierungsschritte von Chrysler-Präsident Dieter Zetsche als Chief Operating Officer (COO) umgesetzt.

Der Auto-Fanatiker, der zuvor die Mercedes-Tuning-Schmiede AMG geleitet hatte, hat sich in amerikanischen Medien die Respektsbezeichnung "car guy" (Automann) verdient - in der US-Autobranche ein großes Kompliment. Schrempp lobte ihn mit den Worten: "Bernhard macht in Detroit einen unglaublich tollen Job".

Grube leitet weiter das Ressort Konzernentwicklung. Er ist der Mann, der hinter den Kulissen die komplexe Zusammenarbeit der einzelnen Automarken des Konzerns in den USA, Europa und bei der Beteiligungsfirma Mitsubishi in Japan steuert und auf Synergie- Effekte trimmt. Außerdem bereitet er die weiteren strategischen Schritte von DaimlerChrysler fort. Der gebürtige Hamburger gilt als enger Vertrauter des Konzernchefs.

Hilmar Kopper leistete die Vorarbeit

Bereits im Herbst 2001 hatte Kopper die Verträge von Schrempp (58) und Mercedes-Chef Jürgen Hubbert (63) bis 2005 verlängert, um die Kontinuität im Unternehmen zu sichern.

Die Verträge von sieben weiteren Vorständen laufen Ende 2003 aus, Personalchef Jürgen Fleig ist bis 2004 bestellt. Wie im Konzern zu erfahren war, dürfte eine Entscheidung über die Neu- oder Wiederbesetzung der übrigen Vorstände erst am Jahresanfang 2003 fallen.

Schrempp hatte in einem dpa-Interview im Juni gesagt, dass "natürlich" auch Amerikaner im neuen Vorstand sitzen würden. Zur Zeit gehören die US-Manager Gary Valade (59), verantwortlich für den weltweiten Einkauf, und Thomas W. Sidlik (52), Einkauf Chrysler Group, dem Vorstand an. Auch der Bereich Finanzdienstleistungen (debis) dürfte wieder in dem Gremium vertreten sein, war im Konzern zu hören.

"Ich fühle mich außerordentlich fit"

Der Vorstandschef hatte in dem Interview auch deutlich gemacht, dass ihm sein Job zur Zeit besonders viel Freude mache und er bei Auslaufen seines Vertrags erst 60 Jahre alt sei. "Ich fühle mich außerordentlich fit, und im Augenblick macht mir meine Aufgabe ganz besondere Freude."

Schrempp betonte auch, dass es bei anstehenden Veränderungen im Vorstand "absolut genügend Kandidaten im Hause" gebe, die vorstandsfähig seien. Einmal im Jahr treffen sich die Top- Manger des Autobauers, um den Führungsnachwuchs zu sichten. Jeder Vorstand hat dabei die Aufgabe, zwei bis drei potenzielle Nachfolger für seine Stelle zu benennen.

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