Credit Suisse Der Abgang des CEO ist erfolgt

Der monatelange Ringkampf um seine Posten endete für Lukas Mühlemann kläglich. Der CEO ist sein Doppelmandat los – ihm folgt mit Walter B. Kielholz ein CS-Urgestein auf den Thron des angeschlagenen Allfinanzkonzerns.

Zürich – Monatelang waberten Spekulationen und Gerüchte wegen einer möglichen Demission von Mühlemann durch das 1856 gegründete Finanzhaus. Zu einer regelrechten Vertrauenskrise hatte sich das Hickhack um Führungspositionen entwickelt.

Im Mittelpunkt des schweizerischen Dramas stand Lukas Mühlemann, der vor acht Jahren in die Credit-Suisse-gruppe  eingestiegen war. Der 52-Jährige setzte sich in einer Art Bilderbuchkarriere erst bei der Tochter, der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft durch, wurde dort bald Unternehmenslenker. Damit nicht genug: Er wurde zudem zum Mitglied des Verwaltungsrates des weltweit zweitgrößten Rückversicherungskonzerns ernannt.

1996, mit dem Wechsel zur Holding, war sein Ruf als brillanter Analytiker und durchsetzungsfähige Führungspersönlichkeit gefestigt. Ein Starmanager, ein Börsenliebling. Steigende Gewinne, steigender Börsenwert - Mühlemanns Wirken galt als spektakulär.

Mühlemanns Karriere zeigte weiter steil nach oben. Anfang 1997 übernahm er das Chefamt der gesamten Credit-Suisse-Gruppe, drei Jahre später löste der Havanna-Raucher den langjährigen Verwaltungsratspräsidenten, Rainer E. Gut, ab.

Dann zogen erste dunkle Wolken am Himmel auf. Mühlemann wurden seine riskanten Geschäfte mit argentinischen Finanzinstituten und die Rolle als ehemaliger Verwaltungsrat der inzwischen zusammengebrochenen Fluggesellschaft Swissair vorgehalten. Schwere Kritik musste er schließlich aufgrund von zwei Transaktionen einstecken. Für die einverleibte Winterthur-Versicherungsgruppe  und die amerikanische Investmentbank Donaldson Lufkin wurden viel zu hohe Preise gezahlt – monierten Kritiker.

Für einen Kuhhandel keine Nerven mehr

Im Geschäftsjahr 2001 brach der Reingewinn um besorgniserregende 73 Prozent ein. Im zweiten Quartal dieses Jahres kam es noch schlimmer. 396 Millionen Euro Verlust wurden vermeldet. Folge: Für das laufende Jahr wird die Dividende deutlich gekürzt (2001: zwei Schweizer Franken je Aktie) – einmalig in der Geschichte des Hauses.

Zwei sind ganz schwer im Kommen

Zu diesem Zeitpunkt waren die übrigen Verwaltungsratsmitglieder mit ihrer Geduld wohl längst am Ende. Der Kuhhandel, den Mühlemann anbot – Rücktritt vom Verwaltungsrat, dafür CEO bleiben – schien die Spitzenbanker nicht zu beruhigen. Im Dezember verlässt Mühlemann das Haus. Ein schönes Abschiedsgeschenk nimmt er aber mit: Angeblich ist der CS sein vorzeitiger Rückgang 20 Millionen Franken Wert. Da kann der Oldtimerfahrer und Klavierspieler noch einige private Investitionen tätigen.

Mühlemann wird durch das CS-Urgestein Walter B. Kienholz (51) ersetzt, der die zur Holding gehörende Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft leitet und schon im Verwaltungsrat der Gruppe saß.

Weiter ganz schwer im Kommen sind auch Oswald J. Grübel (59)und John J. Mack (58). Beide wurden in der jüngsten Verwaltungsratssitzung für Anfang 2003 zu Co-Chief Executive Officers der Gruppe ernannt. Beide sind die eigentlichen operativen Chefs der Gruppe. Oswald Grübel ist für den Bereich Retail-Banking, Private-Banking und die Winterthur zuständig – John J. Mack für die Investmentbank Credit Suisse First Boston.

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