Worldcom Aufgegeben

Nach fünfmonatiger Amtszeit schmeißt John Sidgmore das Handtuch. Der Vorstandschef von Worldcom tritt von seinem Amt zurück und will künftig wieder "nur" Vizevorsitzender sein.

Jackson - Die Mitteilung hörte sich ganz harmlos an. Worldcom  sei auf der Suche nach einem permanenten Vorstandschef, hieß es in einem Schreiben des Unternehmens nach US-Börsenschluss.

Das ist eigentlich nichts Neues, denn John Sidgmore hatte im April die Führung der zweitgrößten amerikanische Ferngesprächsgesellschaft im April ohnehin nur auf Interimsbasis übernommen. Er hatte damals den langjährigen Konzernchef Bernie Ebbers ersetzt, der auf Druck der Aktionäre und Gläubiger ausgeschieden war und sich jetzt mehreren Betrugsverfahren stellen muss.

Nach Angaben des "Wall Street Journal" (WSJ) stellt Sidgmore seinen Posten aber nicht freiwillig zur Verfügung. Unter Berufung auf Firmenkreise berichtet die Zeitung, dass Sidgmore von mehreren Vorstandskollegen für das schnellen Bankrott der Firma verantwortlich gemacht und zum Rücktritt aufgefordert wurde.

"Brutale" Verhandlungen

Sidgmore selbst bezeichnete die Verhandlungen im Konkursverfahren gegenüber dem "WSJ" als "brutal" und deutete an, dass er bei einer weniger aggressiven Stimmung in Vorstand und Aufsichtsrat noch länger als Chef zur Verfügung gestanden hätte.

WorldCom hatte Falschbuchungen von 7,2 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro) zugegeben. Das Unternehmen wird von den Aufsichtsbehörden und vom Kongress untersucht. Es laufen auch zahlreiche Aktionärsklagen. Der ehemalige WorldCom-Finanzchef Scott Sullivan ist bereits im Zusammenhang mit dem Buchführungsskandal angeklagt worden.

Die Gesellschaft hatte im Juli Konkurs im Rahmen des Kapitel Elf des US-Konkursrechtes angemeldet. Ein solches Konkursverfahren erlaubt die Weiterführung der Geschäfte und einen Sanierungsversuch unter Aufsicht des Konkursrichters. Neben dem großen Marktanteil im Festnetz ist WorldCom auch der weltgrößte Internet-Netzbetreiber.

Die Suche nach einem neuen WorldCom-Firmenchef soll auf beschleunigter Basis erfolgen. Mitglieder des Verwaltungsrates, darunter Sidgmore und Roberts, werden die Suche leiten. Der Ausschuss der Gläubiger werde ebenfalls aktiv teilnehmen.

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