Porträt Hans Dieter Pötsch

Der Manager wechselte vom schwäbischen Familienbetrieb zum VW-Konzern.

Stuttgart - Aus einem schwäbischen Familienunternehmen der Automobil-Zulieferindustrie hat sich der VW-Konzern seinen neuen Finanzvorstand geholt.

Hans Dieter Pötsch (51), diplomierter Wirtschaftsingenieur und seit 1995 Vorstandsvorsitzender des Lackierspezialisten und Anlagenbauers Dürr AG, Stuttgart, hat schon seine berufliche Laufbahn in der Automobilindustrie begonnen: 1979 startete der gebürtige Österreicher seine Karriere im Controlling der BMW AG, München.

1987 wechselte Pötsch dann als Geschäftsführer für Finanzen und Verwaltung zu dem renommierten Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf GmbH & Co in Ditzingen, 1991 übernahm Pötsch den Vorstandsvorsitz bei der Traub AG im ebenfalls schwäbischen Reichenbach/Fils.

Nach seinem Amtsantritt Mitte 1995 bei Dürr, einem börsennotierten, aber nach wie vor in Mehrheitsbesitz der Familie Heinz Dürr befindlichen M-DAX-Unternehmen, haben die Stuttgarter durch strategische Akquisitionen in USA und Europa ihre Aktivitäten in allen Sparten abgerundet und durch neue Geschäftsfelder erweitert.

So konnte Pötsch durch den Kauf des US-Unternehmens Premier Manufactoring Services den Konzern im Wachstumsmarkt für produktionsbegleitende Dienstleistungen etablieren. Durch den Erwerb von Alstom Automation brachte er die Marktchancen bei Lackiersystemen für die französischen Automobilhersteller um ein entscheidendes Stück voran.

Mit der Übernahme der Wiesbadener Carl Schenck AG schließlich machte er Dürr zum Anbieter für schlüsselfertige Systemlösungen auch für die Fahrzeug-Endmontage und zum Lieferanten für komplette Fertigungssysteme für den Antriebsstrang (Motoren, Getriebe, Achsen).

In Pötschs Amtszeit bei Dürr stieg der Konzernumsatz von 752 Millionen (1995) auf 2,2 Milliarden im vergangenen Jahr, die Belegschaft der jetzt rund 100 Gesellschaften in über 25 Ländern wuchs in dieser Zeit von 3.177 auf 12.675 Mitarbeiter.

Aber weder er selbst noch das Unternehmen machten viel Aufhebens um seine Person. Pötsch arbeitete unauffällig, aber erfolgreich im Stillen - im Rampenlicht der schwäbischen Wirtschaftswelt stand er nie. Das war wohl stets auch im Sinne von Heinz Dürr, der nicht nur als Aufsichtsratsvorsitzender, sondern auch als Wahrer alter Familientradion an den Entscheidungen des Konzern keinen geringen Anteil hat.