Volkswagen Neuer Finanzvorstand

Das Präsidium des Aufsichtrats votierte gegen eine hausinterne Lösung. Der neue Herrscher über Euro und Cent wird die Hausmacht von VW-Chef Pischetsrieder stärken.

Hannover/Stuttgart - Der bisherige Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Technologieunternehmens Dürr AG , Hans Dieter Pötsch (51), wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur neuer Finanzvorstand beim Volkswagen-Konzern .

Die Entscheidung will der Autobauer am Rande der Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag bekannt geben. Pötsch wird die Nachfolge von Bruno Adelt nach dessen Amtszeit Ende 2003 antreten. Für den Rest von Adelts Amtszeit soll der VW-Finanzbereich von der Doppelspitze geleitet werden. So soll ein fließender Übergang gewährleistet werden, hieß es.

Pötschs Wahl kommt überraschend. Erst vor einer Woche ließ VW einen Bericht des SPIEGEL dementieren. Darin hieß es, Adelts Vertrag solle aufgelöst werden. Der Finanzvorstand gelte zwar als grundsolide, habe aber Analysten und Kapitalanleger nicht für die Aktie des Autobauers begeistern können.

Pischetsrieder festigt seine Position

Weiter hieß es in dem Bericht, der Nachfolger "kommt nicht aus dem VW-Konzern" und solle sich stärker um internationale Anleger und Kurspflege kümmern. VW-Chef Bernd Pischetsrieder habe den Kandidaten bisher nur dem Präsidium des Aufsichtsrats präsentiert und die Mitglieder dieses Gremiums zu "strengstem Stillschweigen" verdonnert.

Mit der Entscheidung für Pötsch beginnt Pischetsrieder, seine Hausmacht auszubauen. Der VW-Chef und Pötsch kennen sich aus der Autobranche, außerdem bringt der Dürr-Mann eine Menge Know-how, Organisationstalent und gute Kontakte mit.

Den Dürr-Konzern hat Pötsch seit seinem Antritt als Vorstandschef im Juli 1995 kräftig erweitert. Pötsch, der Wirtschaftsingenieur der Fachrichtung Maschinenbau ist, war vor dem Wechsel zu Dürr Chef des Werkzeugmaschinen-Herstellers Traub.

Aus dem Stuttgarter Technologieunternehmen machte er einen international agierenden Konzern mit Weltmachtstellung. Trotz rückläufiger Auftragslage erreichte Dürr 2001 einen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro und einen Jahresüberschuss von mehr als 24 Millionen Euro.

Ex-Bosch-Vorstand Rojahn folgt Pötsch

Der ehemalige Bosch-Manager Stefan Rojahn (53) wird neuer Vorstandschef beim Stuttgarter Automobilzulieferer Dürr.

Rojahn werde am 1. Oktober zunächst als Vorstandsmitglied bei Dürr eintreten und den Chefposten dann am 1. Januar 2003 übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt wird sein Vorgänger offiziell in den VW-Vorstand eintreten. Rojahn war vor seinem Ausscheiden bei Bosch Geschäftsführer, gehörte also dem höchsten Führungsgremium des zweitgrößten Automobilzulieferers der Welt an. Als allerdings der Großauftrag von Mercedes-Benz über 400 Millionen Euro wegen Lieferschwierigkeiten platzte und an die Konkurrenz ging, verließ Rojahn die Robert Bosch GmbH - offiziell auf eigenen Wunsch.

Die Dürr AG würdigte ihren scheidenden Vorstandschef: Pötsch habe die Expansion des Konzerns in seiner Zeit als Vorsitzender seit 1995 kräftig vorangetrieben. Dürr hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erreicht und beschäftigte 12.000 Mitarbeiter. Der ehemalige Spezialist für Lackieranlagen für die weltweite Autoindustrie fertigt jetzt immer häufiger komplette Produktionsanlagen wie etwa für das neue Opel-Werk in Rüsselsheim.

Volkswagen: Der Alte hört alles  Volkswagen: Piëchs alte Garde Porträt: Hans Dieter Pötsch

Verwandte Artikel