Axel Springer Verlag Erbstreit um das Vermächtnis von Axel C.

Der Burgfrieden im Hause Springer ist zerstört. Axel Sven Springer klagt gegen seine Tante Friede, der Enkel will das Testament des Onkels juristisch anfechten. Er fordert mehr Macht und einen größeren Anteil am Konzern.

Hamburg - Bei Europas größtem Zeitungshaus, dem Axel Springer Verlag  ("Bild", "Die Welt"), tobt der Machtkampf zwischen den Erben weiter.

Springer-Enkel Axel Sven Springer fordere einen größeren Anteil am Verlag, meldet der "Stern" in seiner aktuellen Ausgabe. Der Enkel habe die Erbvereinbarung von 1985 angefochten. Der vermeintlich letzte Wille Axel Cäsar Springers ist die Grundlage der heutigen Machtverhältnisse im Konzern.

Der Erbstreit geht auf den Umstand zurück, dass sich die Erben nach dem Tod Axel Springers am 22. September 1985 nicht an dessen 1983 verfasstes letztes Testament hielten. Stattdessen wurde der Erbenvertrag auf Basis eines Änderungsentwurfs verfasst, der allerdings nicht notariell beglaubigt ist. Das, mutmaßt Axel Sven Springer, ist rechtswidrig.

Auch Axel Sven Springer ist gegen den WAZ-Einstieg

Im derzeitigen Verhandlungspoker um den 40-prozentigen Springer-Anteil Leo Kirchs, den dieser voraussichtlich bis zum 10. September verkaufen muss, könnten die Springer-Erben Axel Sven und Ariane eine entscheidende Rolle spielen.

In der Vergangenheit war mehrfach spekuliert worden, sie könnten mit ihren Anteilen einem möglichen Käufer des Kirch-Pakets zu einer Mehrheit im Verlag verhelfen. Allerdings hat Axel Sven Springer bereits bekräftigt, dass er eine Beteiligung der WAZ an dem Verlag strikt ablehnt. Zudem hat Verlagsangaben zufolge Friede Springer ein Vorkaufsrecht auf die Anteile der beiden Erben.

Wird das Erbe neu verteilt?

Verglichen mit dem Testament von 1983 benachteiligt der Änderungsentwurf Axel Sven und Springer-Tochter Barbara. Begünstigt wurden Springer-Witwe Friede, Springer-Sohn Nicolaus und Springer-Enkelin Ariane.

Axel Sven Springer ist wie seine Schwester Ariane mit fünf Prozent an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik (ASPG) beteiligt. Friede Springer hält 90 Prozent. Die ASPG besitzt wiederum mit 50 Prozent plus 10 Aktien die knappe Mehrheit an Europas größtem Zeitungsverlag.

Verlegerwitwe Friede Springer, die fünfte Frau des Verlagsgründers, hält die Anfechtung für unbegründet. Sie klagt als Reaktion vor dem Landgericht Berlin, um die Gültigkeit des Vertrages feststellen zu lassen. Gegenüber manager-magazin.de wollte sich Friede Springer zu dem Fall nicht persönlich äußern.

Und ein weiteres Scharmützel hat die streitbare Verlegerin angezettelt. Vor dem Landgericht Berlin hat sie erneut eine Klage gegen die Enkel eingereicht. Darin will die Stiefgroßtante die Erben angeblich zwingen, einen neuen Vertrag mit der Gesellschaft für Publizistik anzuerkennen.

Den alten Vertrag, in dem die Gesellschafteranteile geregelt waren, hatte sie im Herbst vergangenen Jahres einseitig gekündigt. Damals wurde spekuliert, dass sie auch die zehn Prozent von Axel Sven Springer und seiner Schwester Ariane übernehmen wolle, um die eigene Position zu stärken.