Mittwoch, 19. Juni 2019

Boris Becker Ende der Unschuld?

Das große Zittern geht weiter: Mitte Juli hatte die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen den prominenten Ex-Tennisprofi erhoben. Der Grund: Verdacht auf Steuerhinterziehung. Aber eine außergerichtliche Einigung ist derzeit nicht in Sicht. Jetzt droht Becker weiteres Ungemach.

München – Beim Steuerstreit geht es um rund 10,4 Millionen Mark (5,3 Millionen Euro). Die soll Becker nach Meinung der Staatsanwaltschaft in den Jahren 1991 bis 1993 dem Fiskus vorenthalten haben.

 Bald bar jeder Geheimnisse: Boris Becker muss das Finanzamt fürchten
DDP
Bald bar jeder Geheimnisse: Boris Becker muss das Finanzamt fürchten
Hintergrund: Die Staatsanwälte behaupten, dass Beckers Lebensmittelpunkt in München war. Dagegen betont der dreifache Wimbledonsieger, hauptsächlich im Steuerparadies Monte Carlo gelebt zu haben.

Ein Scheitern der Verhandlungen könnte für Becker äußerst unangenehme Folgen haben. Dem 34-Jährigen droht im Falle einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe von bis zu sechs Jahren.

Darüber hinaus hat Becker seit Mitte August noch eine weitere Klage am Hals – von der Gläubigerversammlung des zahlungsunfähigen Internetanbieters Sportgate AG. Bei dieser Klage geht es um eine Erklärung, die Becker im Juli 2000 unterschrieben haben soll.

Weitere Millionenklage?

Angeblich hat sich Becker in seiner Eigenschaft als Mehrheitsaktionär verpflichtet, Geschäftsverluste der Sportgate AG bis zu einer Höhe von 1,5 Millionen Euro unverzüglich auszugleichen. Nach Angaben des Rechtsanwalts Hartwig Albers ist die Zahlung nie erfolgt. Jetzt soll das Geld per Gerichtsbeschluss eingetrieben werden. Zur Finanzierung der Klage haben die Gläubiger Prozesskostenhilfe beantragt.

Auch die finanziellen Folgen aus seinem unsteten Privatleben belasten den Lebemann. Monatlich überweist er Unterhalt an seine beiden Söhne Elias Balthasar (2) und Noah Gabriel (8) und Ex-Ehefrau Barbara. Auch die Affäre mit Angela Ermakowa und die daraus resultierende Tochter Anna (2) strapazieren seine Konten.

So schmilzt Beckers Vermögen. Noch in jüngster Vergangenheit wurde seine Barschaft auf 100 Millionen Euro geschätzt. Jetzt musste Becker sogar seine Villa im noblen Münchener Stadtteil Bogenhausen verkaufen. Ein Hotel ist vorübergehend seine Heimat.

Verarmt ist Becker deswegen nicht. Zu seinem Vermögen gehören drei Mercedes-Autohäuser in Stralsund, Ribnitz-Damgarten und Greifswald. Ein Versuch, die Niederlassungen für 15 Millionen Euro zu verkaufen, scheiterte allerdings. Die 1993 unter anderem als Steuersparmodell erworbenen Autohäuser werfen pro Jahr nur wenige hunderttausend Euro Gewinn ab.

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