Fiat Der Herr des Hauses greift durch

Beim italienischen Autobauer dreht sich das Personalkarussel. Klaus Fricke wird neuer Deutschland-Chef, CEO Paolo Fresco droht "radikale Maßnahmen" an.

Frankfurt - Die deutsche Vertriebsgesellschaft des Verluste schreibenden italienischen Automobilkonzerns Fiat  erhält bereits nach einem Jahr wieder eine neue Führung.

Neuer Vorstandschef werde Klaus Fricke (50), der Haydan Leshel (47) ablöse, teilte die Fiat Automobil AG am Donnerstag mit.

Leshel lege sein Amt zum 31. August im Zuge der Umstrukturierung des Unternehmens in Geschäftseinheiten "im gegenseitigen Einvernehmen" nieder, hieß es. Fricke war bisher Vize-Päsident Marketing von Fiat/Lancia. Leshel hatte erst im Juli 2001 die Führung der deutschen Fiat-Vertriebsgesellschaft übernommen. Zuvor hatte er diese Aufgabe in Österreich inne.

Gewinnzone soll 2004 erreicht werden

Fiat-Konzernchef Paolo Fresco kündigte unterdessen an, man werde "radikale Maßnahmen" ergreifen, falls die Autosparte nicht spätestens 2004 in die Gewinnzone zurückgekehrt ist.

Wenn er mit dem Schuldenabbau und der Sanierung der Autosparte scheitern würde, "wäre ein neues Management nötig", sagte Fresco der Pariser Wirtschaftszeitung "L'Expansion" (Donnerstagausgabe).

Der Verwaltungsrats- und Vorstandsvorsitzende von Fiat Spa, der den Konzern seit Juni gemeinsam mit dem Finanzexperten Gabriele Galateri leitet, äußerte sich optimistisch, die Automobilsparte rentabel machen zu können. "Wir werden bis 2004 in Fiat Auto 2,4 Milliarden Euro investieren", sagte er. Die Kapitalerhöhung um eine Milliarde im Januar, Anteilsverkäufe und der jüngst ausgehandelte Kreditrahmen über 6 Milliarden Euro verschafften dem Konzern die dafür nötigen Mittel.

Die Agnelli-Anteile sind kein Dogma

Der 30-Prozent-Anteil von Agnelli ist "kein Dogma"

Auf die Frage, ob die Familie Agnelli als Fiat-Großaktionär auf ewig zum Autogeschäft stehen werde, sagte Fresco: "Das ist für sie kein kategorischer Imperativ." Umberto Agnelli habe deutlich gemacht, dass der 30-Prozent-Anteil seiner Familie "kein Dogma" sei.

"Wenn die Bankschulden nicht bis 2005 beglichen werden, können sie in Aktien umgewandelt werden. Die Agnellis könnten dann also entscheiden, ihren Anteil auf 20 oder 22 Prozent abschmelzen zu lassen. Umgekehrt könnten sie auch bis auf 40 Prozent aufstocken."

Fiat sei keine leichte Beute für den US-Autokonzern General Motors , der bereits 20 Prozent an der Autosparte hält, versicherte Fresco. Dies gelte trotz der Option für eine Mehrheitsübernahme durch GM. "Man kann, wenn man will, zwischen 2004 und 2009 verkaufen", sagte Fresco. Die Kapitalverflechtung mit GM im Jahre 2000 habe aber auch zum Ziel gehabt, "ein entscheidender Akteur in der GM-Gruppe zu werden".

"Wir genießen eine weit gehende Machtdelegation"

Zur Frage, wie unabhängig das Fiat-Management von der Familie Agnelli agieren könne, sagte Fresco: "Wir benötigen die Zustimmung der Agnellis für die großen Entscheidungen, aber wir genießen eine weit gehende Machtdelegation."

Zudem lägen 70 Prozent der Kapitalanteile in anderen Händen. Angesichts der Bedeutung von Fiat für die italienische Wirtschaft sei für die Regierung "die Versuchung groß, Druck auszuüben". An den Einfluss der Banken müsse man sich gewöhnen.

Fiat: Italienische Tragödie

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