Jan Stenbeck Der Milliardär, das Testament und der uneheliche Sohn

Nach dem Tod des schwedischen Medienmoguls erschüttert ein Skandal das skandinavische Land. Der Milliardär hatte einen unehelichen Sohn. Das Kind erbt Millionen.

Stockholm/Paris - Noch nach seinem Tod überrascht Jan Stenbeck die Öffentlichkeit. Einen Teil seines Vermögens hinterlässt er einem Fünfjährigen. Die Öffentlichkeit wusste bisher nichts von seinem fünften Kind.

Nach Angaben des Online-Dienstes "Netzeitung" ist eine 38-jährige Schwedin die Mutter des Kindes. Steenbeck hatte die Frau Mitte der neunziger Jahre in seinem Restaurant in Stockholm getroffen, wo sie als Kellnerin arbeitete. Zu diesem Zeitpunkt war der Medienmogul schon lange mit der US-Amerikanerin Merrill McLeod verheiratet. "Weder ich noch meine vier Kinder wussten von dem Kind. Ich bin geschockt", sagt McLeod. Stenbecks und McLeods Kinder sind 24, 23, 22 und 17 Jahre alt.

Stenbecks Vermögen ist schwer einzuschätzen, aber es handelt sich nach Auskunft von Experten um einen Euro-Betrag in Milliardenhöhe. Als Ehefrau bekommt McLeod 50 Prozent, die Kinder müssen sich die übrigen 50 Prozent teilen. Der unbekannte Sohn erbt also zehn Prozent. Ein schwedischer Experte für Erbteilung sagt, der Fünfjährige habe sogar einen Vorteil: Während McLeods vier Kinder mit der Auszahlung warten müssen, bis die Mutter tot ist, soll der außereheliche Sohn seinen Anteil sofort bekommen.

Undurchsichtiges Geschäftsimperium

Das kann allerdings doch dauern. Die Erbteilung wird kompliziert sein: Stenbecks Geschäftsimperium ist sehr undurchsichtig mit vielen Kreuzbeteiligungen. Die Tatsache, dass Stenbeck und McLeod in nicht abgeschlossenen Scheidungsverhandlungen standen, macht den Kasus noch komplizierter.

Die Mutter des Fünfjährigen ist heute Studentin an der Universität in Stockholm. Sie hat laut "Expressen" ein gutes Verhältnis zu Stenbeck behalten, nachdem die Beziehung beendet war. Erst im Februar dieses Jahres hatte Stenbeck seine Vaterschaft schriftlich anerkannt.

Jan Stenbeck war Schwedens Medienmogul. 1987 brach er das staatliche Fernsehmonopol mit Schwedens erstem Privatsender TV 3. Um das - inzwischen längst aufgehobene - Verbot der Fernsehwerbung zu umgehen, sendete er via Satellit aus London. Stenbeck war auch zur Stelle, als der Telefonmarkt liberalisiert wurde, und schuf mit Tele 2 eine Alternative zur staatlichen Telia. Und er forderte den Zeitungsmarkt heraus, als er 1995 die Gratiszeitung "Metro" finanzierte.

Einzigartige Machtposition

TV 3 ist längst auch im übrigen Skandinavien und im Baltikum etabliert. Tele 2 operiert in halb Europa. "Metro" erscheint in 21 Ausgaben in 15 Ländern, und auf dem Heimatmarkt umfasst Stenbecks Imperium eine Unzahl weiterer Telefongesellschaften, Fernsehkanäle, Pay-TV-Stationen, Radiosender und Zeitschriften, die dem seit den sechziger Jahren hauptsächlich in den USA lebenden Gründer eine einzigartige Machtposition sicherten.

Der Aktienkurs der verschiedenen Stenbeck-Unternehmen verlor nach seinem Tod bis zu 25 Prozent. Als wichtigster Grund galten die unsicheren Zukunftsaussichten nach den ohnehin drastischen Kursverlusten, die den Börsenwert der Gruppe seit Jahresbeginn von 95 auf 36 Milliarden Kronen (10,3 auf 3,9 Milliarden Euro) sinken ließen.

"Ganz im Sinn ihres Vaters"

Als einen seiner letzten Wünsche verfügte Steenbeck, dass seine 25-jährige Tochter Christina seine Nachfolgerin werden solle. Sie gilt aber als zu jung und unerfahren. Bei einer Pressekonferenz weniger als 24 Stunden nach dem Tod Stenbecks hieß es, die Tochter wünsche, dass der Konzern "ganz im Sinn ihres Vaters" weitergeführt werde.

Die Nachfolgeregelung an der Spitze blieb aber zunächst unklar. Nach dem Ableben Stenbecks ist die Zukunft des finanziell angeschlagenen Konzerns nach Ansicht von Analysten ungewiss. Auf einer Pressekonferenz versuchte der Konzernchef von Metro International, Pelle Törnberg, Ruhe zu verbreiten. Es existiere ein Bereitschaftsplan für den Fall von unvorhergesehenen Ereignissen, sagte er.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.