Ikea "Jetzt habe ich wieder Mist gemacht"

Der Chef des schwedischen Möbelimperiums mimt den reuigen Sünder. Ingvar Kamprad hat sich öffentlich bei seinen Mitarbeitern entschuldigt. Der Gründer und Haupteigner von Ikea hatte sich voreilig über seinen Nachfolger geäußert.

Stockholm - Der Gründer und Haupteigner der Möbelkette Ikea, Ingvar Kamprad, hat sich bei den Beschäftigten in einem handschriftlichen Brief für Interview-Äußerungen über seine Nachfolge entschuldigt.

Unter der Überschrift "Jetzt habe ich wieder Mist gemacht" hatte der 76-jährige Schwede ein Schreiben in der Ikea-Personalzeitung veröffentlicht. Darin bedauerte Kamprad, dass er sich ohne Rücksprache mit den Firmengremien über künftige Rollen für seine Söhne Peter, Jonas und Mathias geäußert habe.

Kamprad hatte Anfang August in einem Interview der "Financial Times Deutschland" seinem ältesten Sohn Peter die zentrale Rolle im größten Möbelhaus der Welt zugesprochen. Wie Kamprad gegenüber der Zeitung sagte, soll dieser künftig die wichtigste Position im Unternehmen besetzen. Für den Fall, dass der 38-Jährige, der derzeit die konzerneigene Immobilien- und Finanzgesellschaft Ikano leitet, nicht auf dem Chefsessel Platz nehmen will, soll sein jüngerer Bruder Mathias an die Spitze rücken.

Entscheidung verzögert

Ingvar Kamprad hatte jahrelang gezögert, die Nachfolge in der Unternehmensleitung eindeutig zu regeln. Die Begründung: Seine Söhne seien noch nicht reif für die Übernahme von Verantwortung.

Eine Krebsoperation Anfang des Jahres veranlasste ihn jedoch offenbar, die künftige Aufgabenverteilung zu bestimmen. Bei einem Familientreffen in der nahen Zukunft sollen die Details geklärt werden. In seinem Entschuldigungsbrief bestätigte der Ikea-Chef seine im Interview genannten Pläne.

Ganz wird Kamprad sich allerdings nicht aus dem Unternehmen zurückziehen. Wie der Patriarch selbst sagte, würde er sich im Ruhestand zu Tode langweilen. Begonnen hat er seine Kaufmannskarriere im Alter von 17, als er mit dem Rad Streichhölzer, Stifte und Weihnachtskarten verscherbelte.

Hoher Anspruch an den Nachfolger

Seit 1948 handelt Kamprad mit Möbeln. Heute umfasst das Schrankwandimperium 154 Filialen in 22 Ländern. Mit einem geschätzten Vermögen von 13 Milliarden Dollar hat er es auf Rang 17 der "Forbes"-Weltrangliste der reichsten Personen gebracht.

Legendär ist Kamprad für seine notorische Knauserigkeit. Geschäftsfreunde lädt er zum Hotdog in die Ikea-Kantine ein, und als Fortbewegungsmittel reicht ihm ein alter Volvo.

Große Fußstapfen also, in die die Kamprad-Erben nun treten müssen. Ihre Aufgabe wird es sein, das Umsatzvolumen und die Größe Ikeas in den kommenden zehn Jahren zu verdoppeln. Im Mittelpunkt steht dabei die Expansion nach Russland und China. In den vergangenen zwölf Monaten setzte der Konzern etwa 10,4 Milliarden Euro um. Der Wert der nicht börsennotierten Ikea-Gruppe wird von Experten auf rund 30 Milliarden Euro geschätzt.

Kamprad hat sich in der jüngeren Vergangenheit übrigens schon einmal bei seinen Angestellten entschuldigt. In den neunziger Jahren hatte er den Ikea-Beschäftigten offenbart, dass er in seiner Jugend an Treffen schwedischer Nazi-Gruppen teilgenommen hatte.

Ingvar Kamprad: Einer der reichsten Männer der Welt

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